Polen: Staatstrauer nach Zugunglück

Der zerstörte Zug am Unglücksort
Foto: REUTERS

Nach dem verheerenden Bahncrash wird zwei Tage lang offiziell um die 16 Todesopfer getrauert. Inzwischen wurden die meisten von ihnen identifiziert.

Nach dem tödlichen Zugsunglück am Samstag in Polen hat Präsident Bronislaw Komorowski für Montag und Dienstag eine Staatstrauer angeordnet. Im Gedenken an die 16 Todesopfer werden alle Fahnen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt, auch sollen Konzerte und andere Events abgesagt werden.

Bei einem Frontalzusammenstoß zweier Züge am Samstagabend im Süden Polens sind mindestens 16 Menschen getötet worden. Fast 60 Menschen wurden verletzt, 30 davon schwer, teilte die Polizei mit. Das Unglück ereignete sich gegen 21 Uhr in dem Ort Szczekociny in der Nähe der Stadt Zawiercie. Ein Zug war auf dem falschen Gleis unterwegs. In beiden Zügen sind rund 350 Passagiere gesessen. Rettungsmannschaften bemühten sich, Passagiere aus den Trümmern zu befreien. An der Unglücksstelle arbeiteten etwa 450 Feuerwehrleute und 100 Polizisten. Zur Versorgung der Verletzten waren Zelte errichtet worden. Neben Krankenwagen waren auch Hubschrauber im Einsatz. Der aus sechs Wagen bestehende Zug Przemysl-Warschau war frontal mit dem Zug Warschau-Krakau mit vier Wagen zusammengeprallt. Warum der zweite Zug auf dem falschen Gleis fuhr, war zunächst unklar. Es handelt sich um einen der schwersten Zugunfälle in Polen der vergangenen Jahre. Szczekociny liegt rund 80 Kilometer nördlich von Krakau in der Woiwodschaft Schlesien. Auf Bildern vom Unfallort waren umgestürzte und schwer zerstörte Eisenbahnwagen zu sehen. Einige Fahrgäste seien in den Trümmern eingeschlossen, teilten Rettungskräfte mit. "Es gab keine Notbremsung, es gab nur den Aufprall. Plötzlich wurde es finster und der Zug stoppte", berichtete ein Reisender. "Als wir ausstiegen, sahen wir was passiert war. Wir sahen die Verletzten und die Toten. Ich konnte es gar nicht glauben." Ein Feuerwehrmann sagte, sie seien in Kontakt mit mehreren Menschen, die in den zerstörten Zügen eingeschlossen seien. Wie die Regierung mitteilte, trafen Verkehrsminister Slawomir Nowak und Innenminister Jacek Cichocki  noch in der Nacht am Unglücksort ein. Auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk (Bild)  war zu der Unfallstelle geeilt. "Dies ist die tragischste Katastrophe seit Jahren", so Tusk, "unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien." Zugfahren gilt in Europa als relativ sicher, dennoch ist es in den vergangenen Jahren zu Unfällen mit teils verheerenden Folgen gekommen. So starben im Jänner 2011 bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt zehn Menschen, als ein Nahverkehrszug mit einem Güterzug zusammengestoßen war. Ein Lokführer soll ein Haltesignal überfahren haben. Februar 2010: In Buizingen bei Brüssel übersieht ein Lokführer ein Stoppsignal, zwei voll besetzte Regionalzüge prallen zusammen. Mindestens 18 Menschen sterben, rund 80 werden verletzt. Oktober 2009: Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer. September 2006: Auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland fährt ein mit 31 Fahrgästen besetzter Zug auf einen Werkstattwagen zur Streckenreinigung auf. 23 Menschen sterben, zehn werden schwer verletzt. Jänner 2005: Auf der eingleisigen Strecke Bologna-Verona prallen ein Passagierzug und ein Güterzug zusammen. 17 Menschen sterben. Ein Lokführer hatte ein Haltesignal übersehen. Juni 2003: Bei Schrozberg in Baden-Württemberg in Deutschland stoßen zwei Regionalzüge frontal zusammen. Sechs Menschen sterben, 25 werden verletzt. Juni 1998: Auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg entgleist kurz vor Eschede ein ICE. 101 Menschen sterben, 94 werden großteils schwer verletzt. Unfallursache war ein Radbruch. Es war das bislang schwerste Zugunglück in der Geschichte Deutschlands sowie aller Hochgeschwindigkeitszüge weltweit.

Großteil der Opfer identifiziert

Unterdessen sind die meisten Opfer identifiziert worden. Nur bei zwei der bisher 16 Toten sei die Identität noch unklar, hieß es nach offiziellen Angaben. 49 Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt. Auch Montag früh gingen die Rettungsarbeiten an der Unfallstelle weiter. Der Einsatz werde erst beendet, wenn die Helfer sicher seien, dass niemand mehr unter den Trümmern der Waggonwracks begraben liege, sagte Gouverneur Zygmunt Lukaszczyk.

Die Suche nach der Unfallursache werde wohl mehrere Wochen andauern. Experten sind uneinig, ob es sich um menschliches Versagen, einen technischen Fehler oder aber um langfristige Probleme bei der Modernisierung der Bahnanlagen handle.

Bei dem schwersten Zugsunglück in Polen seit mehr als zwei Jahrzehnten waren am Samstagabend zwei Personenzüge im Süden des Landes auf demselben Gleis aufeinander zugerast und frontal zusammengeprallt. In beiden Zügen - einer fuhr in Richtung Warschau, der andere in Richtung Krakau - saßen zusammen rund 350 Passagiere. Für Montag und Dienstag hat Polens Präsident Bronislaw Komorowski Staatstrauer angeordnet.

(APA / tan) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?