Politik 05.12.2011

Pensionen: Hundstorfer "positiv überrascht"

Der Sozialminister spart 300 Millionen durch weniger Hackler- und Invaliditätspensionen und will mehr Anreize für längeres Arbeiten.

Gute Nachrichten beim Thema Pensionen sind selten, also ist Sozialminister Rudolf Hundstorfer "positiv überrascht" von den neuesten Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Wie vom KURIER am Mittwoch exklusiv berichtet, sind erstmals seit Jahren bei den Hackler- und den Invaliditätspensionen die Zahl der Anträge und jene der Zuerkennungen im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 rückläufig. Bei den Hacklerpensionen gibt es sieben Prozent weniger Anträge und zehn Prozent weniger Zuerkennungen. Bei den Invaliditätspensionen sind es drei Prozent weniger Anträge und sieben Prozent weniger Zuerkennungen. Für das Pensionssystem sind die I-Pensionen der große Kostentreiber: Ohne sie läge das tatsächliche Antrittsalter im Schnitt nicht bei 58, sondern bei 61 Jahren.

Einsparung

Hundstorfer rechnet damit, dass der Rückgang im heurigen Jahr eine Kosten-Entlastung von 300 Millionen bringt. "Die wirtschaftliche Lage hilft sicher mit, von einer echten Trendumkehr traue ich mich nicht sprechen. Wir müssen am Hauptziel dranbleiben, und das muss heißen: Später gesund in Pension gehen zu können."

Die Analyse des Ministers deckt sich mit jener der PVA: Ein Faktor sei gewesen, den Zugang zur Hacklerpension durch die Verteuerung von nachgekauften Versicherungszeiten zu erschweren. Und auch die vor einem Jahr eingeführte sogenannte Gesundheitsstraße, auf der PVA und Arbeitsmarktservice die I-Pensions-Kandidaten untersuchen, habe sich bezahlt gemacht. Durch vermehrte Rehabilitation und Umschulung ist die Zahl der Unvermittelbaren gesunken.

Künftig darf man nur noch einen Antrag auf I-Pension stellen, wenn man vorher eine Reha gemacht hat. Diesen Weg will Hundstorfer weitergehen: "Ich verhandle derzeit sehr intensiv mit den Sozialpartnern über weitere Anreizsysteme, länger im Erwerbsleben bleiben zu können."

Hundstorfer glaubt, dass auch bei den Beamten - von denen noch immer jeder Zweite in Hacklerpension geht - Besserung in Sicht ist: "Wir werden hier genauso einen Rückgang sehen, weil das Nachkaufen teurer wurde und ab 2014 nicht mehr angerechnet wird."

Pensionen: Zu frühes Antrittsalter
Statistik
Derzeit beträgt das durchschnittliche Pensionsantrittsalter in Österreich quer über alle Pensionsarten 58,2 Jahre bei Frauen und Männern. Gedrückt wird dieser Durchschnitt bisher von der hohen Zahl an Invaliditäts-Pensionen.

Reform
Die Pläne von Sozialminister Rudolf Hundstorfer und die ähnlich lautenden Empfehlungen der Pensionskommission sehen vor, dass das Pensionsantrittsalter künftig im Verlaufe eines Jahrzehnts um je ein Jahr ansteigen soll.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011