Politik 05.12.2011

"News of the World"-Reporter tot aufgefunden

© Bild: AP/rts

Ein ehemaliger Reporter der eingestellten Boulevardzeitung ist tot in seiner Wohnung gefunden worden. Murdoch muss am heute vor dem Parlament aussagen.

Sean Hoare, ein ehemaliger Reporter der eingestellten Boulevardzeitung News of the World ist am Montag tot in seiner Wohnung gefunden worden. Hoare hatte den früheren Regierungssprecher Andy Coulson belastet: In einem New York Times-Interview hatte Hoare behauptet, er sei von Coulson - damals Chefredakteur der Skandalzeitung - zum Abhören von Mailboxen angestiftet worden. Der Tod des Mannes ist bisher ungeklärt, hieß es von der Polizei in der Grafschaft Hertfordshire. Ein Verdacht auf eine Gewalttat besteht jedoch nicht. Coulson wurde im Zusammenhang mit dem Skandal bereits festgenommen.

Murdochs Imperium bedroht

Sean Hoare hatte behauptet, er sei von Coulson - damals Chefredakteur der Skandalzeitung - zum Abhören von Mailboxen angestiftet worden.
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Indes ist für Dienstagnachmittag der 80-jährige Medienmogul Rupert Murdoch mit seinem Sohn und Kronprinzen James vor den Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments geladen. Sie sollen den Abgeordneten Rede und Antwort stehen zu dem Abhörskandal, der die Öffentlichkeit in Atem hält und der Murdochs Imperium vernichten könnte.

Die entscheidende Frage: Was hat der Herr über den Konzern News Corp. von den Praktiken des Boulevardblattes News of the World (NoW) gewusst? Waren Murdoch und seine Manager darüber informiert, dass die Mobiltelefone von 4000 Prominenten, Soldatenwitwen, Angehörigen von Verbrechens- und Terroropfern abgehört und dass Polizisten bestochen wurden? Haben sie Beweise unterschlagen?

Sean Hoare hatte behauptet, er sei von Coulson - damals Chefredakteur der Skandalzeitung - zum Abhören von Mailboxen angestiftet worden.
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NoW ist bereits eingestellt, zehn Mitarbeiter wurden festgenommen - darunter Rebekah Brooks. Die Ex-Chefredakteurin des Blattes - von Murdoch wie eine Tochter behandelt - wurde zwar auf Kaution wieder freigelassen. Aber sie wird sich für ihre Rolle in dem Skandal rechtfertigen müssen.

Murdoch, der 37 Prozent der britischen Zeitungen sowie 39 Prozent des Pay-TV-Senders BSkyB kontrolliert, ist in der Defensive: Er hat den Plan zur Totalübernahme von BSkyB fallengelassen und erwägt , seine britischen Zeitungsbeteiligungen komplett zu verkaufen. Am Wochenende entschuldigte er sich in einer Inseratenkampagne mit den Worten "We are sorry" für den Skandal.

Murdoch, der sich mithilfe seiner Medienmacht immer in die Politik eingemischt hat, geht es vor allem darum, ein Übergreifen des Skandals auf seine Wahlheimat USA zu verhindern. Dort ermittelt das FBI bereits, ob Murdoch-Blätter auch Terroropfer von 9/11 abgehört haben. Schadensersatzforderungen nach US-Recht wären selbst für den drittgrößten Medienkonzern der Welt existenzbedrohend.

In London spricht sich die Labour Party für die Zerschlagung des Konzerns aus. Auch vielen US-Demokraten gefällt die Vorstellung, ihren konservativen Erzfeind, dessen Sender Fox an vorderster Front gegen Barack Obama kämpft, in die Schranken zu weisen.

Feuer am Dach

Feuer ist aber nicht nur am Dach des Hauses Murdoch. Auch Spitzenpolitiker und die Polizei müssen um ihren Ruf kämpfen: Premier David Cameron bricht seine Afrika-Reise ab, um das Parlament am Mittwoch über die neuesten Ermittlungen zu informieren. Cameron hatte Kontakt zu Rebekah Brooks und war mit Andy Coulson befreundet. Den ebenfalls nur auf Kaution freien Ex-Vize-Chef von NoW hatte er sogar zu seinem Sprecher gemacht. Cameron hat auch Erklärungsbedarf, warum er sich in den 15 Monaten seiner Amtszeit 26-mal mit Murdoch und seinen Top-Managern getroffen hat.

Die Opposition legt Cameron nahe, Konsequenzen zu ziehen wie Paul Stephenson: Der Chef der Londoner Metropolitan Police trat am Sonntag zurück, 24 Stunden später folgte ihm Antiterrorchef John Yates. Yates hatte 2009 trotz massiver Vorwürfe gegen NoW Ermittlungen abgelehnt. Zudem sollen Scotland-Yard-Beamte das Revolverblatt gegen Geld mit Informationen versorgt haben.

Stephenson war auch persönlich angegriffen worden: Er hatte sich Teile einer Kur von einem Spa-Betreiber finanzieren lassen, dessen PR-Chef sein eigener Medienberater Neil Wallis war - ein ehemaliger NoW-Mann.

Die Liste der Gestrauchelten wird immer länger

Sean Hoare hatte behauptet, er sei von Coulson - damals Chefredakteur der Skandalzeitung - zum Abhören von Mailboxen angestiftet worden.
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Rebekah Brooks Die ehemalige Chefredakteurin von News of the World trat am Freitag von ihrem Posten im Murdoch-Imperium zurück. Sie wurde am Sonntag festgenommen und später auf Kaution freigelassen.

Sean Hoare hatte behauptet, er sei von Coulson - damals Chefredakteur der Skandalzeitung - zum Abhören von Mailboxen angestiftet worden.
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Andy Coulson Der ehemalige Sprecher der Regierung und Cameron-Vertraute wurde am 8. Juli festgenommen und auf Kaution freigelassen. Ihm werden Schmiergeldzahlungen an die Polizei vorgeworfen. Auch Cameron selbst steht wegen seiner einst engen Kontakte zu den Medien des Unternehmers Rupert Murdoch in der Kritik.

Sean Hoare hatte behauptet, er sei von Coulson - damals Chefredakteur der Skandalzeitung - zum Abhören von Mailboxen angestiftet worden.
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Sir Paul Stephenson Der Chef der Metropolitan Police trat Sonntagabend wegen verschleppter Ermittlungen in der Abhöraffäre zurück. Außerdem soll er sich einen Wellness-Urlaub zum Teil geschenkt haben lassen.

( KURIER , KURIER.at , apa ) Erstellt am 05.12.2011