Politik 23.01.2012

Neuer Anlauf für Imame-Ausbildung

Staatssekretär Kurz und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Sanac starten das „Dialogforum Islam“.

Genau 100 Jahre ist es her, dass Österreich den Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt hat – „als erstes Land in Europa“, wie Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) sagt. Damals habe Österreich eine Vorreiterrolle gehabt, mittlerweile seien neben der Anzahl der Muslime (derzeit rund 500.000, siehe Grafik ) auch die Probleme gewachsen: „Wir haben eine Situation, wo es sehr viele Vorurteile, Schwierigkeiten und Radikalisierungstendenzen gibt“, sagt Kurz.

Er wünscht sich eine „Versachlichung der Debatte“ – und hat zu diesem Zweck mit Fuat Sanac, dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), das „Dialogforum Islam“ ins Leben gerufen. Sieben Arbeitsgruppen unter der Leitung von Experten widmen sich Themen wie „Integration und Identität“, „Staat und Islam“, „Geschlechterrollen“ oder „Islamismus und Islamfeindlichkeit“. Ein Jahr will Kurz den Fachleuten Zeit geben.

Vorbeter

Muslime in Österreich
© Bild: KURIER

Ein zentrales Anliegen (das Kurz schon beim Wien-Wahlkampf 2010 thematisiert hat) ist die Ausbildung von Imamen, den Vorbetern beim islamischen Gebet. Weil es eine solche in Österreich noch nicht gibt, müssen die meisten aus dem Ausland geholt werden. „Vor allem aus der Türkei kommende Imame bleiben meistens nur einige Jahre in Österreich, sodass sie oft keine Deutschkenntnisse erwerben und (...) kein Interesse an einer Verwurzelung in Österreich besteht“, heißt es in einem Expertenbericht des Innenministeriums.

Kritisch gesehen wird auch, dass zahlreiche Imame unter direktem Einfluss des türkischen Staates stehen: Die „Türkisch Islamische Union in Österreich“ (ATIB), der größte Verband von Muslimen in Österreich, untersteht der türkischen Religionsbehörde. Die von der ATIB entsandten Imame sind als Staatsbedienstete angestellt – und weisungsgebunden.

Die Grüne Alev Korun unterstützt Kurz’ Bemühungen: „Vor allem die junge Generation der Musliminnen braucht Ansprechpartner, die aus ihren Reihen kommen – und die ihre Lebenssituation kennen.“ Dass die Muslime beim „Dialogforum Islam“ vorerst nur durch die IGGiÖ vertreten sind, sieht die Grüne kritisch: Bei deren letzter Wahl hätten nur 30.000 von 500.000 teilgenommen. Korun: „Eine große Zahl von MuslimInnen ist daher nicht durch die IGGiÖ vertreten.“

( Kurier ) Erstellt am 23.01.2012