Politik
22.04.2012

Mehr Schutz für die älteren Arbeitnehmer

Die Seniorenvertreter Khol und Blecha fordern: Firmen, die Mitarbeiter in die Frühpension „mobben“, sollen dafür zahlen.

Rund 70 Prozent aller Personen, die im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen sind, waren Frühpensionisten. Dass diese Zahl reduziert werden muss, darüber sind sich Experten und Politik einig. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist aber strittig.

Die Seniorenvertreter Andreas Khol und Karl Blecha haben in der ORF-Pressestunde am Sonntag mit einem neuen Vorschlag aufhorchen lassen: Unternehmer, die ältere Mitarbeiter in die Frühpension "drängen oder mobben, sollen die Kosten für die Frühpension bis zum Regelpen­sionsalter tragen". In den Niederlanden und in Finnland sei das bereits Realität.

Richtiger Vorschlag

Wie beurteilt der Pensionsexperte die Idee? "Das ist ein richtiger Vorschlag, es kommt aber natürlich auf die Details an", sagt Bernd Marin im KURIER-Gespräch. In Holland seien die Invaliditäts­pensionen tatsächlich "innerhalb von fünf Jahren um zwei Drittel zurückgegangen". Allerdings sollten nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Arbeitnehmer in die Pflicht genommen werden. So könnten etwa ältere Mitarbeiter, die "freiwillig arbeitslos werden" (kündigen oder einvernehmliche Trennung), aber nicht in Pension gehen können, "bei erhöhtem Kündigungsschutz kein Arbeitslosengeld erhalten", schlägt Marin vor.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) goutiert das Blecha-Khol-Modell auch: "Aber im Zuge der Sparpaketsverhandlungen war keine Einigung möglich." Das Thema bleibe dennoch auf seiner Agenda.

Keine Freude mit dem Blecha-Khol-Vorschlag hat die Wirtschaft. "Mit Bestrafungen kommt man nicht weiter", sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl zum KURIER. Er plädiert für ein Bonus-Malus-System. "Wer länger bleibt, soll belohnt werden. Darüber will ich diskutieren", fordert Leitl. Den Bonus soll es für Arbeitgeber und Arbeitnehmer geben. Dass Firmen Mitarbeiter in die Pension mobben, weist Leitl strikt zurück.

Rückendeckung bekommt der Kammer-Boss von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Die Blecha-Khol-Idee sei der verkehrte Weg. "Das würde in der Praxis nur dazu führen, dass Unternehmen immer früher Arbeitnehmer freisetzen. Entscheidend ist, dass man den gesetzlichen Rahmen so ändert, dass die Menschen länger arbeiten", sagt Mitterlehner. Er erwartet, dass die Bevölkerungsentwicklung "eine Trendumkehr unterstützt. Allein schon aufgrund des demografischen Wandels wird es für Unternehmen immer wichtiger, stärker auf das Know-how älterer Mitarbeiter zu setzen."

Pensionserhöhung

Was die Pensionserhöhung für 2013 betrifft, haben Blecha und Khol angekündigt, dass bei kleinen Pensionen (950 bis 1000 Euro) die Inflation voll abgegolten werde. Für höhere Pensionen soll es allerdings weniger geben.

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