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Politik
09/20/2012

"Lasst die Schulen selber machen"

Österreichs Schulen sind zu sehr am Gängelband. Wer die Qualität des Unterrichts verbessern will, muss sie "loslassen".

von Ute Brühl

Ohne Autonomie keine Qualität. So lautet die Kurzformel. Denn laut dem Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann "kann in Schulen nur dann eine gute Arbeit gemacht werden, wenn die Verantwortlichen vor Ort Entscheidungen treffen dürfen". Länder wie Kanada, Finnland, die Niederlande oder Südtirol schneiden im internationalen Vergleich so gut ab, weil es dort eine Schulautonomie gibt. Das sei in der Bildungsforschung unumstritten.

Der Wissenschaftler liefert auch gleich eine Begründung dazu: "Die Lebenslage der Kinder ist von Ort zu Ort unterschiedlich. In bürgerlichen Vierteln brauche ich einen anderen Unterricht als in Gegenden, in denen viele Sozialhilfeempfänger oder Migranten wohnen. Darauf muss ich am Standort substanziell reagieren können – gerade wenn ich will, dass alle Kinder eine Chance haben. Es müssen etwa Stundenpläne und Vorgangsweise angepasst werden. Spezialisten wie Sozialpädagogen oder Psychologen müssen schnell an die Standorte geholt werden können. Dafür braucht die Schule Budget- und Planungshoheit."

Autonomie ist aber kein Garant für gute Schulen: "Deren Qualität muss sowohl intern als auch extern laufend überprüft werden", meint Hopmann. Als Kontrollinstanz brauche es da weiterhin die Schulbehörden. "Sie sollten nicht nur kontrollieren, sondern vor allem die Schulen unterstützen."

Eigenverantwortung

Dass Schulen selber über ihren Stundenplan oder über ihre Finanzen entscheiden können – das ist in Österreich immer noch Zukunftsmusik. Aus dem Bildungsministerium heißt es zwar, dass man die Autonomie stärken will. Doch so ganz vom Gängelband der Behörden will man dort die Schulen offensichtlich nicht lassen.

Im Ministerium spricht man deshalb auch nicht gern davon, den Schulen mehr Autonomie zu geben. Die Ministerin benutzt lieber den Begriff der "Eigenverantwortung".

Direktoren sollen etwa zukünftig verantwortlich für die Qualität des Unterrichts sein – in dem sie etwa bei der Weiterbildung der Lehrer mitreden können. Laut Ministerium würde bereits jetzt schon den Schulen mehr Verantwortung übertragen: "Die Neuen Mittelschulen dürfen über ihr Schulprofil mitentscheiden. Direktoren sind schon jetzt verpflichtet, auf Ergebnisse der Bildungsstandards zu reagieren und schulautonom Maßnahmen zu setzen, damit die Schüler besser werden."

Für Bildungswissenschaftler Hopmann ist die Antwort aus dem Ministerium entlarvend. "Die Schulen sollen die Haftung übernehmen für Entscheidungen, die das Ministerium trifft." Wenn Schulen die Verantwortung für die Qualität des Unterrichts übernehmen sollen, müsse man sie selbst entscheiden lassen, wie sie dieses Ziel erreichen und sie nicht mit Hunderten Vorschriften gängeln.

Den Weg für mehr Schulautonomie freimachen, das fordert auch Katharina Cortolezis-Schlager (VP), die sich im Parlament mit dem Thema Schulverwaltungsreform auseinandersetzt: "Bildungsstandards und Zentralmatura liefern ja Ergebnisse und zeigen, was die Schüler gelernt haben. Wie sie zu diesem Lernziel kommen, soll Sache der Schule und nicht des Ministeriums sein."

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