Kripo kämpft gegen neue Ostbande

Kripo kämpft gegen neue Ostbande
Im ersten Halbjahr wurden im Raum Wien wieder mehr Autos gestohlen. Die Kripo vermutet eine neue Ost-Bande

In den vergangenen beiden Jahren gelang es dem Bundeskriminalamt, die Zahl der Autodiebstähle in Österreich auf ein Drittel zu senken. Nun läuten wieder die Alarmglocken. Zuletzt wurden wieder mehr Autos gestohlen. Die Kriminalstrategen schließen nicht mehr aus, dass eine neue Schieberbande aktiv ist.

Das sind die Fakten: Im ersten Halbjahr wurden 1341 Pkw entwendet. Das sind um 137 Autos mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders begehrt unter Autodieben ist der Audi A6. Betroffen sind aber alle Marken, die sich in Österreich gut verkaufen.

Generalmajor Gerhard Lang, Chefstratege des Bundeskriminalamtes: "Wir beobachten die Entwicklung sehr genau." Es gibt wöchentliche Treffen mit den führenden Kriminalisten Österreichs, auch mit den Kollegen der Nachbarländer tauscht man sich aus.

Der Gegner ist nicht neu: Ostbanden, die sich ständig neu organisieren. Sie arbeiten nach einem simplen Muster. Ein Auto wird erst "beschafft", wenn es dafür eine Bestellung gibt. Die gestohlenen Autos werden umgebaut, bekommen eine neue Identität und werden weltweit an Händler verschickt. Der Endabnehmer weiß oft gar nicht, dass er einen gestohlenen Pkw gekauft hat.

Ostbande

Demnach bestimmt die Nachfrage den illegalen Markt, und nicht das Angebot. Und hier, so Lang, gäbe es ähnliche Schwankungen wie am legalen Markt. Es kann aber auch sein, dass sich eine Ostbande verstärkt auf Österreich konzentriert. Lang neigt dieser Version zu.

Auf die jüngste Entwicklung hat die Polizei bereits reagiert. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen nicht nur die "kleinen" Autodiebe. Lang will auch die Organisationen dahinter ausheben.

Kriminalstrategie

Das hat in der Vergangenheit schon funktioniert. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges war
Österreichs Polizei mit explodierenden Zahlen bei Autodiebstählen konfrontiert. Die Zahl der gestohlenen Autos und Kombis lag jedes Jahr bei rund 5000 Stück.

Im vergangenen Jahr gelang die Trendwende. Im Jahr 2010 ging die Zahl der Autodiebstähle deutlich zurück. Das ist bemerkenswert. Denn schon im Jahr 2007 wurden die Grenzkontrollen eingestellt. Das beeinflusste aber die Schieberaktivitäten weder positiv noch negativ.

Drei Jahre später begannen neue Strategien zu greifen. Es wurden Überwachungskameras auf den Autobahnen installiert. Die neu gegründete SOKO-Ost mit ihren flächendeckenden Razzien zeigte Wirkung. Außerdem konnte die SOKO-Kfz Erfolge verbuchen. Ihre Aufgabe ist es, mittels sogenannter "Strukturermittlungen", ganze Schieberbanden hinter Gitter zu bringen.

Das ist nur möglich, weil die Polizeiorganisationen der östlichen Nachbarn inzwischen gut im Schengen-System integriert sind. Lang: "Wir sind heute ganz selbstverständlich bei Hausdurchsuchungen und Festnahmen in Ungarn oder der Slowakei dabei." So konnte beispielsweise die ehemals berüchtigte "BMW-Bande" ausgehoben werden. Nachdem ein Täter in Österreich festgenommen wurde, enttarnten ungarische Polizisten dessen Komplizen und setzten sie hinter Gitter. Es ist auch gelungen, ein illegales Kfz-Verteilerzentrum in Ostungarn auszuräuchern. Lang ist optimistisch, auch neue Ost-Banden ausschalten zu können.

Kommentare