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Politik
09/18/2012

Kohl und Schäuble: Ziemlich beste Feinde

Der deutsche Finanzminister feierte am Dienstag seinen 70. Geburtstag. Sein ehemaliger Mentor gratulierte ihm nicht.

Auch große Männer können manchmal ganz schön kleinlich sein, vor allem untereinander. Das politische Deutschland wundert sich über den nicht einmal oberflächlich kittbaren Bruch zwischen den zwei wichtigsten konservativen Politikern der letzten Jahrzehnte – Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl. Kohl gratuliert Schäuble nicht.

Wolfgang Schäuble feierte Dienstag seinen 70. Geburtstag weitgehend privat. Am 26. September bekommt er von seiner CDU-/CSU-Fraktion die öffentliche Ehrung mit einem Festakt im Deutschen Theater in Berlin, bei dem Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kunst den amtierenden Finanzminister feiern werden. Allen voran Bundeskanzlerin Merkel mit ihrer Festrede. Die beiden verbindet ein ambivalentes, aber sehr achtungsvolles Verhältnis – und das Wissen um Machtmechanik an der Spitze.

Denn Schäuble ist der am längsten dort aktive Politiker Deutschlands: Vor 40 Jahren zog er in den Bundestag ein und hat seither viele wichtige Funktionen ausgefüllt, meist sogar mit Anerkennung der Opposition. Schäuble war Hauptverhandler der deutschen Einheit, CDU-Fraktionschef, CDU-Parteichef und sogar zwei Mal Innenminister. Seit 2009 ist er als deutscher Finanzminister der zweitmächtigste Mann der Regierung und einer der einflussreichsten Europas. Und das, obwohl er nach dem Attentat eines geistig Verwirrten 1990 im Rollstuhl sitzt.

Bruch

Doch nicht der war laut der neuesten Biografie der größte Bruch seines Lebens, sondern das Zerwürfnis mit seinem Mentor, Altbundeskanzler Helmut Kohl, 82. Nach Jahrzehnten engster Zusammenarbeit hatten die beiden 2001 in der die CDU schwer beschädigenden Spenden-Affäre eine kontroverse Haltung zum Umgang damit: Schäuble verlangte die Spendernamen von Kohl. Weil der sein Ehrenwort des Schweigens hielt, trat Schäuble als CDU-Chef zurück. Das hinderte ihn später dann auch, Bundespräsident zu werden.

Seit dem Bruch haben der Altkanzler, der mittlerweile nach einem schweren Schlaganfall ebenfalls im Rollstuhl sitzt, und Schäuble den persönlichen Kontakt so weit wie möglich vermieden. Angesichts ihres Alters wurde immer wieder spekuliert, dass es zumindest oberflächlich doch noch eine Versöhnung geben könnte.

Gute Gelegenheiten dazu gäbe es jetzt: Zuerst die Geburtstagsfeier von Schäuble. Doch da ließ Kohl seine Teilnahme ohne Begründung absagen, sein Büro verweist diskret auf den Gesundheitszustand. Der hindert ihn aber nicht daran, am Tag danach ebenfalls in Berlin bei einem Festakt zum 30. Jahrestag seines Machtantritts als Kanzler teilzunehmen und sogar zu sprechen. Merkel wird dabei gleich ihre nächste Festrede halten und eine Sonderbriefmarke vorstellen. Dass der dafür zuständige Finanzminister auch dabei sein wird, ist unwahrscheinlich: Es wäre Schäubles Schritt auf Kohl zu, den er immer ausgeschlossen hatte. Bisher jedenfalls.

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