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Politik
02/22/2012

Kickl als "Straches Hirn"

FPÖ: Herbert Kickl ist nicht nur das Mastermind hinter der Aschermittwoch-Rede von HC Strache. Immer mehr sagen: Er ist der heimliche Parteichef.

von Christian Böhmer

Am Anfang von Herbert Kickls Karriere stehen eine Thermoskanne und ein Glas mit Eiswürfeln. „Im Wahlkampf 1995 war ich für den Tee von Jörg Haider zuständig. War er zu heiß, konnte Jörg ihn nicht trinken. War er zu kalt, hätte er sich verkühlt. Es war ein Winterwahlkampf, da muss man auf die Stimme achten. So gesehen war der Tee wichtig.“

Dunkler Anzug, blaues Hemd, keine Krawatte. So sitzt Herbert Kickl in seinem Büro. Reichsratsstraße 7, oberster Stock, prächtiger Blick auf Parlament und Wiener Innenstadt. An der Hand trägt er einen Pulsmesser, an der Wand hängen Plakate von Heinz-Christian Strache und Bilder von Kickl im Laufdress.

Vor Sonnenaufgang

Kickl ist Triathlet. Er läuft, schwimmt oder radelt täglich, manchmal vor Sonnenaufgang, und die Anekdote mit dem Tee erzählt viel über den heute 43-Jährigen. Denn damals wie heute hatte er kein Problem, in der zweiten Reihe zu stehen und einem Parteichef zuzuarbeiten.

Mit einem Unterschied: 16 Jahre nach der Thermoskanne ist keine Rede vom Unterordnen: Kickl ist Generalsekretär der FPÖ und gilt als wichtigster Berater des Parteichefs. „Er ist Straches Hirn, der heimliche Parteichef“, sagt BZÖ-Parlamentarier Stefan Petzner, der Kickl aus Kärnten kennt.

Kickl würde das so nie sagen („Wir sind ein Team“). Doch tatsächlich drückt er der FPÖ seit Jahren seinen Stempel auf – nicht nur am politischen Aschermittwoch. Er war es, der Haiders Verbal-Attacke auf den Ex-Chef der Israelitischen Kultusgemeinde ersann („Wie kann einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben“); und er ist es, dem Strache viele Idee für seine Reden verdankt.

Doch wer ist dieser Herbert Kickl? Was ist so furchtbar an ihm, dass ihn unaufgeregte Parlamentarier wie Dieter Brosz als „Schreibtischtäter“ und „Populisten der übelsten Sorte“ bezeichnen? Aufgewachsen ist der Vater eines elfjährigen Buben in einer Arbeitersiedlung im Kärntner Radenthein, die Eltern waren Fabriksarbeiter. Im Gymnasium machte er abwechselnd mit Eva Glawischnig („Eine kluge Frau“) den Klassensprecher, ging für ein Philosophie-Studium nach Wien und landete bald in der FPÖ-Partei-Akademie. Gerechtigkeit, sagt er, war immer sein Thema. Die SPÖ hielt er für „verstaubt“ – „die FPÖ vertrat die spitzere Variante der Gerechtigkeit“.

Schärfe

Freunde wie Feinde attestieren Kickl einen scharfen Verstand. „Er ist ein trockener Analytiker mit untrüglichem Gespür für Sprache“, sagt Martin Strutz. Strutz war es, der Kickl für den Landtagswahlkampf 2004 nach Kärnten holte. Mit Slogans wie „An Bessern kriag ma nimma“ schaffte es Jörg Haider trotz der Irrungen um Knittelfeld noch einmal, die 40-Prozent-Marke zu überspringen. „Kickl ist ein guter Spindoctor“, bestätigt Stefan Petzner. „Aber er hat einen üblen Charakter.“

Die Gegner machen das vor allem an der politischen Werbung fest. Wer „Daham statt Islam“ plakatiere, spitze nicht zu, sondern schüre Hass. „Wir machen als Partei nur, was Medien auch tun: Mit Schlagzeilen Aufmerksamkeit erregen – und dann im Diskurs das Problem aufarbeiten“, sagt Kickl.

Genau das, die konstruktive Diskussion, sprechen ihm politische Gegner freilich ab. Der Grüne Dieter Brosz kennt Kickl aus dem Sport-Ausschuss. „Und da geht’s ihm nur darum, vorbereiteten Rede-Beiträge vorzulesen und zu polarisieren. Ähnliches erzählt ein ÖVP-Abgeordneter aus dem Sozialausschuss: „Der Kickl testet, wo die geschmacklichen Schmerzgrenzen liegen – insbesondere bei der SPÖ.“

Woran kann man das festmachen? „Im Unterschied zu FPÖ-Kollege Norbert Hofer trägt Kickl keine Fälle vor. Er schwadroniert lieber über den Sozialmissbrauch der Ausländer und attackiert Sozialminister Hundstorfer.“ Herbert Kickl, der Provokateur? „Politische Debatten müssen kantig geführt werden. Da kann’s schon tuschen“, sagt Kickl.

Aber gibt es nicht Grenzen? Hat er sich nachträglich nicht für Plakate geniert? Nein, sagt der blaue General. Und dann schiebt er noch einen Satz von Spinoza nach: „Es geht nicht anders.“ Kickl war am Aschermittwoch nicht in Ried. „Ich musste mich auf die Sondersitzung vorbereiten“, sagt er. Diese Veranstaltungen sind nicht so seines, erzählen Weggefährten. „Er ist bei so etwas immer hinten im Saal gestanden, war nie gern auf der Bühne“, sagt Petzner.

Kickl ist klug genug, um zu wissen, dass seine Stärke der Platz in der zweiten Reihe ist. „Wenn eine Partei ein Schiff ist, dann bin ich lieber im Maschinenraum als beim Captains-Dinner.“ Bescheidenheit ist keine Schande. Es gibt aber auch einen anderen Grund, warum Kickl lieber „unter der Wasserlinie“ bleibt: „Dort ist auch der Torpedoraum.“

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