Politik 05.12.2011

Keine Erwartungen an Weltklima-Konferenz

Wenn in Durban keine drastische CO2-Reduktion beschlossen wird, steuert die Menschheit auf 6 Grad Erwärmung zu.

Wäre das Klima eine Bank, wären wir schon gerettet." David Reinberger von der Wiener Umweltanwaltschaft beklagt das Desinteresse der Politik am Klimaschutz, vorrangig sei derzeit allein die Finanzkrise. Indes: Verglichen mit den düsteren Prognosen der internationalen Energieagentur (IEA) in Paris wirkt das Chaos in der Euro-Zone überschaubar. Der Anstieg der Temperatur um mehrere Grad Celsius in den nächsten Jahrzehnten - auch in Mitteleuropa - ist eine Tatsache. Naturkatastrophen wie die jüngsten Überschwemmungen in Australien können eindeutig der von Menschen verursachten Erwärmung zugeschrieben werden, sagt die Klimatologin Helga Kromp-Kolb.

Beim Montag beginnenden Gipfel in Durban, Südafrika, versuchen Politiker unter der Ägide der UNO - wieder einmal -, den Anstieg der globalen Temperaturen auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Um den Kollaps zu verhindern, müssten die CO2-Emissionen bis 2050 um 95 Prozent reduziert werden. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat "wenig Hoffnung", dass in Durban der dringend nötige Kurswechsel beschlossen wird.

"Von Durban erwartet keiner etwas", sagt Kromp-Kolb. Steigt die Temperatur im Schnitt um drei Grad, wovon viele Experten ausgehen, werden extreme Wetterumstürze wie Sturmfluten, Kälteeinbrüche und Dürren zunehmen, das Eis an den Polen, unter anderem der westantarktische Eisschild, würde tauen, der Meeresspiegel steigen. "Über die Zukunft von Venedig brauchen wir uns dann nicht mehr unterhalten." Schlimmer noch: Bei einem Meter Meeresanstieg rechnet die UNO mit 90 Millionen Klimaflüchtlingen.

Ein Aufschieben der Aktivitäten zur Eindämmung des Klimawandels hätte laut IEA einen Temperaturanstieg von mehr als sechs Grad bis 2035 zu Folge. Für Stephan Renner (Energieagentur) ist die Höhe glaubwürdig. 2010 gelangten so viele Treibhausgase in die Atmosphäre wie nie zuvor.

Und selbst, wenn man sich auf radikale Maßnahmen einigt, ist die Energiewende noch lange nicht geschafft.

Die größten Hürden

Kernkraft
Weltweit sind 60 Kernkraftwerke in Planung. Schon heute werden AKW ihren Strom nicht mehr komplett los. Die Uranreserven reichen nur bis Ende des Jahrhunderts. Eine Folge: Die CO2-Bilanz ist wegen der abnehmenden Erzgehalte schlechter als angenommen - laut einer Studie von Ökologie-Institut und Österreichischer Energieagentur steigen die -Emissionen auf 210 Gramm pro Kilowattstunde Atom-Strom (g/kWh). Das ist besser als Kohle oder Öl (600 g/kWh), aber schlechter als Wind (2,8-7,4 g/kWh), Wasserkraft (17-22 g/kWh) und Fotovoltaik (19-59 g/kWh). Sogar Deutschland, wo die Energiewende beschlossene Sache ist, wird der Treibhauseffekt weiter angeheizt, weil zur Deckung der Grundlast noch Jahrzehnte auf Kohle gesetzt werden muss.

Netze
Die deutsche Solarwirtschaft wird bis ins Jahr 2020 70 Gigawatt installieren. Die größten Luftverpester weltweit, die USA und China, treiben ihren Solar-Ausbau voran. Die Rechnung geht aber nur auf, wenn die flexible Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen mit dem Verbrauch in Einklang gebracht wird. Dazu braucht es erstens ein intelligentes Verteilernetz (Smart Grid), das elektrische Verbraucher wie Waschmaschinen erst startet, wenn die Sonne scheint. Und, zweitens, den Ausbau von Stromspeichern.

Speicherung
Eine Vollversorgung mit Ökostrom setzt voraus, dass Wind, Wasser und Sonne die Grundlast des Energiebedarfs tragen. Für den nötigen Ausbau von Wasserstoff-, Druckluft oder Pumpspeichern fehlen - noch - finanzielle Anreize.

Der IEA-Report setzt daher auf Vermeidung: "Den größten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leistet die nicht verbrauchte Energie."

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011