Politik 05.12.2011

Kein Geld für schlechte Eltern

Gewerkschafter will Schüler, die stören, in Extra-Klassen stecken und ihren Eltern die Familienbeihilfe streichen. Die ÖVP ist gesprächsbereit.

Ein Lehrer wird einem Schüler gegenüber handgreiflich - vor Gericht nimmt ihn die Dienstbehörde in Schutz: Er sei vom Schüler provoziert worden und habe sich offenbar nicht mehr zu helfen gewusst (siehe Hintergrund-Artikel). Glaubt man Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger, stehen die Pädagogen immer öfter ohne brauchbare Handhabe da.

"Jenseits von Gut und Böse" ist die Idee für den Elternvertreter an den Pflichtschulen, Christian Morawek.
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Der Anteil der "Extremfälle unter den Schülern, die die Schule zerstören", sei im Steigen, "und es kann nicht sein, dass sich die Mehrheit von engagierten Schülern und Eltern von einer Minderheit terrorisieren lässt". Kimberger fordert daher mehr "Durchgriffsrechte": Schüler, die den Unterricht stören, sollen in "Time-out-Klassen" kommen, wo sie von Psychologen und Sozialhelfern betreut werden, "bis man sie wieder in die Klasse integrieren kann". Eltern, die sich "kategorisch ihrer Erziehungspflicht entziehen", will Kimberger die Familienbeihilfe streichen.

"Jenseits von Gut und Böse" ist die Idee für den Elternvertreter an den Pflichtschulen, Christian Morawek.
Elternvertreter Theodor Saverschel: "Wir bringen zustande, was die Politik nicht schafft. © Bild: KURIER/Boroviczeny

ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon hat "größtes Verständnis" für Kimbergers Vorstoß: "Wir schaufeln immer mehr Erziehungsaufgaben in die Schule und geben den Lehrern offenbar nicht ausreichend Erziehungsmittel in die Hand. Wenn die Lehrer sagen, das reicht nicht, müssen wir das ernst nehmen." Amon will die Vorschläge prüfen; "ich bin jedenfalls offen dafür und will das diskutieren".

Für Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sind die Verhaltensvereinbarungen, die es schon jetzt an den Schulen gibt und die in vielen Fällen auch Konsequenzen für grobes Fehlverhalten beinhalten, ausreichend. Kimbergers Vorstoß anlässlich des aktuellen Falls sei "eher befremdlich", heißt es aus Schmieds Büro.

Elternvertreter Theodor Saverschel kann sich "Time-out-Klassen" nur als Zusatzangebot vorstellen, "nicht statt des normalen Unterrichts, das wäre eine Stigmatisierung". Mit der Streichung der Familienbeihilfe zu drohen, hält er für den "falschen Weg". Viele Lehrer seien schlechte Vorbilder in puncto Disziplin und Pünktlichkeit, sagt Saverschel: "Es denkt auch keiner daran, bei mangelnder Qualität den Lehrern das Gehalt zu kürzen."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011