Politik 01.04.2012

Kein "Badesalz": Junge Mutter tot

Die 20-Jährige hinterlässt ein Kleinkind. Dessen Großmutter sieht die Schuld bei der Verkäuferin, die das giftige Pulver verschenkt hat.

Susanne D. sitzt in ihrer kleinen Mietwohnung in Laakirchen und raucht eine Zigarette nach der anderen. Auf der Kommode steht ein Foto ihrer am 8. März gestorbenen Tochter Hanna, das sie immer wieder anschaut. "Ich versuche meinen Schmerz nur dosiert rauszulassen, anders könnte ich das alles nicht ertragen."

Medikamente helfen ihr dabei. Als sie vor drei Wochen von einem Notarzt telefonisch über das Ableben der 20-Jährigen informiert worden war, ist Susanne B. zusammengebrochen. "Mir ist der Hörer aus der Hand gefallen, ich hab’ nur mehr geschrien." Die 45-Jährige musste eine Woche lang im Spital Vöcklabruck psychiatrisch behandelt werden. "Mir geht es immer noch nicht gut – vor allem, weil ich nicht verstehen kann, warum die Hanna sterben musste."

Die 20-Jährige soll von der Besitzerin eines "Headshops" – einem Spezialgeschäft für Rauchwaren – in Gmunden "Badesalz" bekommen haben. In einschlägigen Kreisen gilt das als verharmlosende Bezeichnung für illegale psychoaktive Substanzen. Kurz nach der Einnahme des weißen Pulvers starb Hanna D. an einem Herzstillstand. Toxikologische Untersuchungen zeigten aber, dass die junge Frau keine psychoaktive Droge, sondern das hochgiftige Anästhetikum "Bupivacain" geschnupft hatte. Auf diese Weise konsumiert , führt das weiß-pulvrige Betäubungsmittel nahezu sicher zu Herzversagen. Die Headshop-Besitzerin wurde festgenommen, die 28-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.

"Diese Frau hat meine Hanna auf dem Gewissen, ich hoffe, dass sie vor Gericht dafür die gerechte Strafe bekommt", sagt Susanne D. Die Verdächtige habe sich ihrer Tochter gegenüber als Freundin ausgegeben und ihr immer wieder "Badesalz" angeboten. "Die Hanna hat ihr vertraut, auf meine Warnungen hat sie nicht gehört." Die Mutter wünscht sich inbrünstig, dass die Umstände, die zu dem Tod geführt haben, nun detailliert aufgeklärt werden. "Vorher kann ich einfach nicht abschließen."

Enkeltochter

Am Dienstag wäre Hanna 21 Jahre alt geworden. "Das zu erleben, war ihr leider nicht vergönnt." Die Obduktion hat ergeben, dass die junge Frau in der 6. Woche schwanger war. Sie hinterlässt ihre eineinhalbjährige Tochter Merle, um die sich nun Susanne D., ihr Ex-Mann und Hannas Bruder kümmern. "Die Kleine scheint zu spüren, dass ihre Mutter nicht mehr wiederkommt. Am Tag des Begräbnisses hat sie mich plötzlich Oma-Mama genannt, sich bei mir festgekrallt und laut geschluchzt."

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( Kurier ) Erstellt am 01.04.2012