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Politik
09/12/2012

Kärnten: Mutter stolz auf Franca

Die Fünfjährige war beim Spaziergang mit dem Großvater im Gailtal verloren gegangen und mehr als einen Tag durch die Wildnis geirrt.

Die "schlimmsten 24 Stunden meines Lebens" hat die Mutter der fünfjährigen Franca, Helga Druml aus Nötsch im Gailtal, verbracht, während das Mädchen verschwunden war. Sie betonte am Mittwoch, sie sei "sehr stolz" auf ihre Tochter, die ihr Wissen genützt habe, um sich in der Natur zurechtzufinden. So habe das Kind seinen Durst gestillt, indem es Wasser aus Bächen getrunken habe.

Im Garten erzählte eine quicklebendige Franca, am Schoß ihrer Mutter sitzend, über den glücklichen Ausgang ihres Abenteuers: "Da hab ich zwei Radfahrer gesehen." Mutter Helga: "Hast du dich gefreut?" Franca: "Ja!" Über die Nacht mochte das Mädchen vorerst nicht reden. "Wenn man sie darauf anspricht, fängt sie an zu weinen", so die Mutter.

Das Haus der Familie liegt gut einen Kilometer von der Siedlung Saak entfernt an der Südflanke des Dobratsch. Ein hoher Zaun umgibt das Grundstück, rundherum wuchern Bäume und Haselstauden. Francas Mutter nutzte die Gelegenheit der Anwesenheit der vielen Medienvertreter, um sich bei allen Helfern zu bedanken. Es sei unglaublich gewesen, welche Solidarität im Dorf geherrscht habe, als das Verschwinden von Franca bekanntgeworden ist. "Das ganze Dorf ist zusammengerückt." Nachbarn, Freunde, aber auch Fremde haben spontan beschlossen, sich an der Suche zu beteiligen, das sei ganz wunderbar gewesen. Sie habe zudem unterstützende Anrufe aus ganz Österreich erhalten, in denen Menschen ihr Mut zugesprochen hätten.

Die Polizei geht bei den weiteren Erhebungen vorsichtig vor. Man wolle das Thema in kleinen Schritten mit dem Mädchen aufarbeiten, hieß es. Grundsätzlich wisse man ja, was vorgefallen sei, in den kommenden Tagen werde man noch die letzten Details abklären.

Vermisst

Von Montagabend bis Dienstagabend hatte die 40-jährige Malerin ihr kleines Mädchen verzweifelt gesucht. Das Mädchen lief am Dienstag zwei Radfahrern über den Weg, die es sofort erkannten und die Polizei verständigten. Kurz darauf gaben die Beamten der besorgten Mutter Entwarnung. Als Helga Druml nach dem Telefonat aufschrie – "sie lebt, sie lebt" –, spielten sich herzzereißende Szenen ab. Die Retter lagen sich in den Armen. Die Suchmannschaften hatten sich schon auf eine weitere lange Nacht eingestellt.

Das fröhliche Kind hatte am Montag mit seinem Opa einen Spaziergang zum Schloss Wasserleonburg in Nötsch unternommen. Gleich daneben ragen dicht bewaldet die Ausläufer des Dobratsch-Sturzes auf, ein steiles, unwegsames und verwachsenes Gelände. Gegen 18 Uhr wollte der Großvater umkehren, die Kleine aber nicht. Also ging der 78-Jährige ein paar Schritte vor, um sie zum Heimgehen zu bewegen. Als er sich umdrehte, war sie weg. Das erzählte der Mann der Polizei. Der Großvater und Familienmitglieder begannen gleich darauf verzweifelt, nach Franca zu suchen.

Suchaktion

Eine groß angelegte Suchaktion wurde am Montagabend eingeleitet. Am Dienstag um 6.30 Uhr wurde die Suche fortgesetzt. Im Laufe des Vormittags wurde das Such­gebiet auf neun Quadrat­kilometer ausgedehnt. Bis zum Nachmittag meldeten sich rund 50 Einheimische und Urlauber, um zu helfen. Sie durchstöberten Gassen und Scheunen, denn die Kleine soll sich gerne verstecken.

Dienstagabend rückte mit 100 Bundesheer-Pionieren aus Villach weitere Verstärkung an. Beamte der Cobra, die unweit trainiert hatten, unterstützten Polizisten bei der Befragung von Anrainern. Die Suche verlief im Sand, bis um 18.35 Uhr der erlösende Anruf einging: Ein Radfahrer meldete sich bei der Polizei. Ein Freund und er hätten Franca auf dem Gailtalradweg aufgegabelt. Der Anrufer stammte aus einem Nachbarort und hatte das Mädchen sofort erkannt. Es hatte keine Hose und keine Sandalen mehr an. Franca erzählte, sie habe sich in die Hose gemacht und die feuchte Kleidung abgelegt.

Eine erste Befragung der Kleinen ergab, dass sie alleine nach Hause gehen wollte, nachdem sich der Großvater beim Spazierengehen kurz entfernt hatte und sie glaubte, er sei ohne sie gegangen. Auf dem Heimweg verlief sie sich. Für die Polizei sind diese Angaben glaubwürdig. Wie das Kind die Zeit seither genau verbrachte, ist aber noch nicht geklärt. Eine gewisse Zeit dürfte es unbemerkt in der Nähe des Elternhauses eines Kindergarten­freundes verbracht haben.

Zwei Ärzte untersuchten die Fünfjährige. "Es sieht so aus, als ob sie komplett unversehrt ist", sagt Polizei-Sprecher Michael Masaniger zum KURIER. Auf die Beamten machte das Mädchen einen "quietschlebendigen Eindruck". Sie sei redselig gewesen und habe erzählt, dass sie sich verlaufen habe. Masaniger: "Sie wollte nur mehr bei ihrer Mama schlafen."

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