Politik
28.12.2011

Jährlich 400 Verletzte durch Kracher

Experten warnen vor dem Kauf illegaler Feuerwerksartikel und dem missbräuchlichen Einsatz von Pyrotechnik.

Ein kleiner Funke und das Arsenal an Feuerwerkskörpern im Kofferraum explodiert. Raketen sausen durch die Luft, pausenlos kracht es. Trümmer des Citroën fliegen herum. Minuten später steht das Auto in Vollbrand. Kein Ernstfall. Experten vom Entschärfungsdienst des Bundeskriminalamtes demonstrierten vor Kurzem, was passieren kann, wenn ein Auto mit einer „feurigen Ladung“ in einen Auffahrunfall verwickelt wird. Insassen hätten wohl nicht überlebt.

Im Kofferraum lagen Kracher, Raketen, Knallketten, Vulkane. „Eine typische Ladung im Wert von rund 150 Euro, wie sie viele für Silvester gerne in Tschechien einkaufen“, sagt Entschärfer Helmut Szagmeister.

90 Prozent der Artikel sind in Österreich illegal. Allein heuer wurden bereits mehr als drei Tonnen an verbotenen pyrotechnischen Gegenständen beschlagnahmt.

Verletzte

Zerfetzte Hände, abgerissene Körperteile, schwere Verbrennungen – jedes Jahr verletzen sich bis zu 400 Menschen beim Hantieren mit Feuerwerksartikeln. „Unfälle passieren meist bei der unsachgemäßen, missbräuchlichen Verwendung“, sagt Entschärfer Thomas Csengel.

Nach dem Motto „ Jugend forscht“ werden da gerne Böller zersägt oder gleich bündelweise zusammengebunden – für den lauteren, größeren Effekt. Csengel: „Wir als Experten würden solche Knallkörper niemals so zerlegen.“

Alkohol und Raketen abschießen zu Silvester – eine Kombination, die oft im Spital oder mit einem Feuerwehreinsatz endet. Was passiert, wenn ein (illegaler) „La bomba“-Knaller in der Hand explodiert, zeigt der Test mit einer Schaufensterpuppe: Die Plastilinhand wird zerfetzt.

Respekt

In Panik müsse man angesichts solcher Unfälle aber auch nicht verfallen. „Respekt muss man haben, wenn man pyrotechnische Sachen verwendet“, meint Szagmeister. Wer sich an Sicherheitsbestimmungen hält (Abstände) und die für Normalverbraucher erlaubte Ware mit entsprechender Qualitätskennzeichnung kauft, ist auf der sicheren Seite.

Und: Kein Material einsetzen, dessen Verwendung Profis vorbehalten ist. Wie „Feuerwerksbomben“, die jenseits der Grenze um ein paar Euro erhältlich sind. Wer eine solche „Bombe“, die eine Steighöhe von bis zu 300 Metern und eine Abschussgeschwindigkeit von bis zu 500 km/h hat, ohne entsprechende Abschussvorrichtung zündet, hat keine Chance. Csengel: „Die zündet in Sekunden, die Sprengkraft ist enorm – zum Weglaufen bleibt da keine Zeit.“

 

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund