Politik | Inland
06.03.2018

Zielinski: "Diese Politik wirft uns zurück in die 70er-Jahre"

Krebsarzt Zielinski erklärt im KURIER-Talk und im Gesundheitsausschuss im Parlament, warum es das Rauchverbot braucht.

"Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Tag in der Zeitung berichten, dass zwei Jumbo-Jets abgestürzt sind", sagt Christoph Zielinski im Gespräch mit KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter.

Das sind laut dem Krebsspezialisten heruntergerechnet jene 20 Millionen Amerikaner, die in den vergangenen 50 Jahren an den Folgen des Rauchens erkrankt sind.

Und während in den USA sogar die Tabakindustrie zum Umdenken gezwungen wurde, wird in Österreich das Rauchverbot in der Gastronomie aufgehoben. "Ich appelliere an den Bundeskanzler, diese Gesundheitspolitik, die uns zurückwirft in die 1970er-Jahre, zu beenden."

Das ist aber schon die einzige politische Ansage, die aus dem Onkologen und Leiter des Comprehensive Cancer Centers Vienna (CCC) herauszubekommen ist. Zielinski interessiert sich nicht für den politischen Hickhack, der mit der Debatte ums Rauchen verbunden ist. Ihn interessieren Fakten. Und die wird er im morgigen Gesundheitsausschuss auf den Tisch legen. Jede Fraktion konnte einen Experten einladen, der ein Statement abgeben und Fragen der Ausschuss-Mitglieder beantworten soll. Auf Druck der Opposition wird die Sitzung öffentlich sein.

Gesundheit ausgeblendet

Die Neos haben den Gesundheitsforscher Florian Stigler eingeladen, die Liste Pilz Daniela Jahn-Kuch, Palliativ-Medizinerin und Schwester des verstorbenen Journalisten Kurt Kuch. Die ÖVP schickt ihre Leiterin der Abteilung Jugendpolitik, die FPÖ die Wirtschaftswissenschaftlerin Barbara Kolm.

"Offenbar haben sie in ganz Österreich niemanden aus dem Gesundheitsbereich gefunden, der ihnen einen Persilschein für ihr Vorhaben gibt", sagt SPÖ-Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner, und was da etwas spöttisch klingt, ist durchaus ernst gemeint: Die Regierungsparteien würden schlicht den gesundheitspolitischen Aspekt ihres Vorhabens ausblenden, kritisiert sie. Bleibt abzuwarten, ob die drei Ärzte bei ÖVP und FPÖ Stellung beziehen: Dagmar Belakowitsch (FPÖ) ist Medizinerin und seit 2008 Obfrau des Gesundheitsausschusses. Sie wird die heutige Sitzung moderieren. FPÖ-Abgeordnete Brigitte Povysil ist Radiologin an der Linzer Frauen- und Kinderklinik. Und für die ÖVP sitzt Josef Smolle, ehemaliger Rektor der Grazer Medizin-Uni und Mitglied des Obersten Sanitätsrats, im Ausschuss.

Diesen Kollegen und den anderen Ausschussmitgliedern wird Zielinski heute erklären, warum es schärfere Rauchergesetze braucht. Die Experten von ÖVP und FPÖ werden erwartungsgemäß mit Wahlfreiheit und verstärktem Jugendschutz argumentieren, die im neuen Gesetz vorgesehen sind.

Zu Punkt 1 sagt Zielinski, Rauchen sei ja eine Sucht. "Und Abhängigkeit ist nicht etwas, das dem freien Willen entspricht." Abgesehen davon ende die Freiheit des anderen da, wo sie andere einschränkt. Stichwort: Passivrauchen. Wieder nennt Zielinski Zahlen aus den USA: Von den 20 Millionen Erkrankten waren rund 2,5 Millionen Nichtraucher.

Zu Punkt 2: "Die Jugend schützt man nur, wenn nirgends mehr geraucht wird."