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Historiker verteidigt Nutzung von Hitlerhaus: „Polizei hat aus der Geschichte gelernt“

Der Experte Oliver Rathkolb sagt, dass die Zukunft zeigen werde, ob man sich in der Sache geirrt habe oder nicht.

Die Nutzung des Hitler-Geburtshauses in Braunau als Polizeistation bleibt umstritten. In der „ZiB2“ verteidigte der Historiker Oliver Rathkolb, Mitglied der Expertenkommission des Innenministeriums, die Entscheidung. „Man versucht, den Mythos Adolf Hitler und Geburtshaus zu brechen“, sagte Rathkolb.

Ursprünglich habe die Kommission eine sozial-karitative Nutzung bevorzugt. Rathkolb sagte, man wäre „sehr froh gewesen“, wenn wieder die Volkshilfe eingezogen wäre. Inzwischen sehe er die Polizeinutzung aber anders: „Die Polizei in einem demokratischen Staat hat die zentrale Aufgabe, die Verfassung zu verteidigen.“

Rolle der Polizei

Kritik an der Polizeistation wies Rathkolb zurück. Die Polizei habe „aus der Geschichte gelernt“. Er verwies auf eine vom Innenministerium finanzierte Studie zur Rolle österreichischer Polizisten im Nationalsozialismus sowie auf Menschenrechtsschulungen.

Auch ein Museum oder Dokumentationszentrum lehnte die Kommission bewusst ab. Der Berghof am Obersalzberg sei ein „Zentrum nationalsozialistischer Macht- und Vernichtungspolitik“ gewesen, das Braunauer Haus hingegen nur zeitweise Wohnort Hitlers.

„Wallfahrtsort für Rechtsextreme“

Rathkolb warnte davor, den symbolischen Charakter des Gebäudes weiter zu verstärken. „Geburtshäuser von Diktatoren haben etwas Mystisches. Sie sind ein Wallfahrtsort für Rechtsextreme.“ Deshalb habe man auch Ideen wie ein „Haus der Verantwortung“ direkt im Geburtshaus kritisch gesehen.

Zur fehlenden historischen Einordnung im Gebäude sagte Rathkolb, das Ziel sei gewesen, dem internationalen Neonazi-Tourismus die Attraktivität zu nehmen. Eine zusätzliche Gedenktafel hätte das Projekt „ad absurdum geführt“.

Am Ende räumte der Historiker ein, dass die Debatte weiter offen sei: „Und die Zukunft wird zeigen, ob wir uns geirrt haben oder nicht.“

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