Nach Rücktritt von Keir Starmer: Das war "der Anfang vom Ende"
Nach dem Rücktritt von Keir Starmer als britischer Premierminister steht die Labour-Partei vor einem Umbruch. In der ZiB2 war dazu Melanie Sully, Politikwissenschaftlerin, zu Gast. Sie zeichnete das Bild eines Regierungschefs, dem es nie gelungen sei, eine klare Verbindung zu den Menschen aufzubauen.
Starmer: Fehlende Nähe zu Wählern
Starmer sei zunächst Parteichef geworden, "um den linken Flügel in der Partei, also Jeremy Corbyn, zu besiegen". Als Premier habe er dann weitere Erwartungen erfüllen sollen, doch das sei gescheitert. "Aber wofür er eigentlich gestanden ist, hat man nie wirklich mitbekommen", sagte Sully.
Aus Sullys Sicht habe Starmer vor allem emotional nicht überzeugt. "Er hat zu wenig Emotion gezeigt." Zudem sei er zu selten dort präsent gewesen, wo Labour traditionell stark ist. "Er war ständig im Ausland und er hat sich zu wenig gekümmert in den Arbeiterbezirken im Nordengland." Auch persönlich habe er Distanz erzeugt: "Seine Persönlichkeit ist nicht sehr volksnah. Er versteht die Menschen nicht."
"Der Anfang vom Ende"
Politische Einzelentscheidungen hätten das Bild verstärkt. Die Diskussion um das Streichen eines Heizkostenzuschusses für Ältere sei laut Sully "der Anfang vom Ende" gewesen. Innerparteilich sei der Widerstand danach stark angewachsen.
Als wahrscheinlichen Nachfolger sieht Sully den früheren Bürgermeister von Manchester. "Andy Burnham wird Premierminister sein." Andere potenzielle Kandidaten hätten kaum Chancen und versuchten eher, sich im Umfeld des Favoriten zu positionieren, um später einen Ministerposten zu bekommen.
Reform UK und neues Parteiensystem
Trotz wachsender Skepsis gegenüber dem Brexit habe Nigel Farage mit Reform UK zuletzt Erfolge gefeiert. Viele Wähler hätten das Gefühl, "dass der echte Brexit nicht eingetreten ist". Farage setze zudem auf weitere Themen wie Migration und den Kampf gegen "das fanatische Klimaschutz".
Insgesamt sei das britische Parteiensystem deutlich fragmentierter. "Diese zwei traditionelle Parteiensysteme sind schon nicht so stabil wie früher", sagte Sully – eine Entwicklung, die auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten sei.
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