Politik | Inland
25.05.2018

Zu viele Fünfer bei Mathe-Matura: Jetzt hilft der Minister

„Negative“ Schüler sollen gezielt auf die Kompensationsprüfungen vorbereitet werden, bei denen "Grundkompetenzen abgeprüft" werden.

Das Bildungsministerium reagiert auf die KURIER- Berichterstattung über die Ergebnisse der diesjährigen Mathematik-Zentralmatura. Eine vorzeitige Auswertung wurde veranlasst – und die zeigt ein deutliches Bild: Sowohl an den AHS als auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) sind die Ergebnisse schlechter ausgefallen.

„Der derzeitige Stand zeigt, dass sich die Fünfer in den AHS von elf auf 18 Prozent erhöht haben, bei den BHS von sieben auf 18 Prozent“, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Freitag. Damit hat fast jeder fünfte Schüler negativ abgeschlossen. Ausgewertet wurden bisher zehn Prozent der AHS und 15 Prozent der BHS (siehe Grafik). Das Bildungsministerium ist alarmiert und setzt nun Maßnahmen.

Grundkompetenzen

„Wir haben kein Interesse daran, dass viele Schüler mit einem Fünfer aussteigen. Deswegen gibt es die Kompensationsprüfungen. Dabei werden die Grundkompetenzen abgeprüft“, fährt Faßmann fort. Dieses Jahr werden erstmals Rundschreiben an alle Schulleiter ausgeschickt. Darin wird ersucht, die Kandidaten gezielt bei der Suche nach Übungsaufgaben zu unterstützen, damit eine effektive Vorbereitung auf die mündlichen Kompensationsprüfungen erfolgen kann. Außerdem werden auf die Internetseite der Zentralmatura (www.srdp.at) Beispiele gestellt, die für die Vorbereitung genutzt werden können.

In den Kompensationsprüfungen, die am 5. und 6. Juni stattfinden, werden ausschließlich Grundkompetenzen geprüft. „Es handelt sich  um relativ kurze Fragen, zum Teil sind es auch Multiple-Choice-Fragen“, sagt Christian Dorninger, Sektionschef für das berufsbildende Schulwesen im Bildungsministerium. Die ebenfalls zentral vorgegebenen Beispiele für die Kompensationsprüfungen würden aber nicht mehr verändert werden.

Überlegt wurde auch, den Notenschlüssel der schriftlichen Matura zu ändern. Einige Lehrer hatten sich beschwert, dass dieser heuer verändert wurde und dadurch mehr Schüler schlechter beurteilt wurden. In anderen Ländern mit Zentralmatura wurden Notenschlüssel bereits nachträglich verändert. Das Bildungsministerium hat sich jedoch dagegen entschieden.

Evaluierung

Die Leidtragenden des Ergebnisses sind die Schüler. „Die Matura läuft noch nicht reibungslos. Es wurden Themengebiete abgeprüft, die an manchen Schulen nur am Rande vorkamen und die ein mathematisches Grundverständnis voraussetzten. Nervöse Schüler hat das vor Probleme gestellt. Auch die Textlastigkeit  sollte überdacht werden“, sagt Bundesschulsprecher Harald Zierfuß. Für die Schüler sei es jetzt wichtig, faire Chancen bei den Kompensationsprüfungen zu schaffen, schließlich wollen gerade BHS-Absolventen oft direkt in den Beruf einsteigen.

Faßmann versichert, dass die Ursachen für die schlechten Ergebnisse genau überprüft werden. Er will das Beurteilungsschema, den Erstellungsprozess der Aufgaben sowie die Resultate an ausgewählten Standorten ansehen. Davon abhängig würden dann Maßnahmen ergriffen. Die endgültigen Resultate werden jedenfalls am 27. Juni präsentiert.

Dorninger versucht aber schon jetzt, erste Erklärungen zu finden und sagt: „Die hohen Antrittsraten an humanberuflichen Schulen könnten eine Rolle spielen. Dort muss nicht maturiert werden. Heuer haben sich aber um sieben Prozent mehr Schüler als im Vorjahr angemeldet.“ Genau dort seien sehr „heterogene Ergebnisse“ zu verzeichnen gewesen.
Bildungsexperten nehmen die Lehrer in die Pflicht und appellieren, sie auf den neuesten Stand der Pädagogik zu bringen.