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Politik Inland
02/07/2021

Wie sich die abgeschobene Familie über Wasser hielt

Tina lebte in Simmering und lernte Russisch. Die Volkshilfe sammelt Spenden.

von Ida Metzger

Die Lebensgeschichte von Tina wirft ebenso viele Fragen auf, wie die Rechtslage der Causa. Wie schaffte es ein Mädchen, das eigentlich stets mit der Abschiebung bedroht war, in eines der besten öffentlichen Gymnasien von Wien zu kommen? Wie erhielt die Mutter die Familie jahrelang ohne Arbeitsgenehmigung? Der KURIER erreichte den ehemaligen Anwalt der Familie, Michael Vallender, der den Fall rechtlich jahrelang begleitete. Denn der aktuelle Rechtsanwalt, Wilfried Embacher, übernahm die Agenden erst 48 Stunden vor der Abschiebung.

Vallender erzählt, dass die Familie zuletzt in Simmering lebte. Ob die Wohnung von einer karitativen Einrichtung gestellt wurde, weiß Vallender nicht.

Vater war nie da

Die Familie hielt die Mutter, die laut dem Rechtsanwalt auch perfekt Deutsch spricht, zusätzlich zur Grundversorgung  mit Aushilfsjobs in Ordinationen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten über Wasser – oft erhielt sie für diese Tätigkeiten nur Aufwandsentschädigungen.   "Es gab auch finanzielle Unterstützung von der Großmutter oder Freunden in Georgien", sagt der Anwalt.

Die Großmutter und andere Verwandte warnten die Familie vor der Heimreise, weil man eine Blutrache fürchtete. Denn der Bruder von Tinas Mutter, er war Polizist, hatte seine Ehefrau, die Journalistin war, erschossen. "Man fürchtete Blutrache vom Bruder der ermordeten Ehefrau, der im georgischen Innenministerium arbeitet", erzählt Vallender. Das wurde als Asylgrund von den österreichischen Behörden nicht akzeptiert.

Dass der Vater eine Rolle in der Familie spielt, ist selbst für den Ex-Anwalt eine Überraschung. "Erstmals kam er in meiner Kanzlei, als die Abschiebung vor der Tür stand. Ich glaube, er hat nichts dazu beigetragen, dass sie in Österreich gut leben konnten", sagt Vallender.

Tina beschreibt der Anwalt als aufgewecktes Mädchen. Das Gymnasium Stubenbastei in der Wiener Innenstadt wollte sie besuchen, weil diese Schule einen Russisch-Zweig anbietet und Russisch als erste lebende Fremdsprache gelehrt wird. Der Elternverein der Schule und die Volkshilfe sammeln nun Spenden für Tina, damit der Online-Unterricht aus Österreich fortgesetzt werden kann.

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