Wie korruptionsanfällig ist Österreich?

In der Bank liegt eine Liste über die Goldgeschenke.
In der Verwaltung sei Österreich nicht so anfällig, sagt Anti-Korruptionsexperte Martin Kreutner. Ein Problem: Jobvergaben im staatsnahen Bereich.

"Wen würde der Anstand wählen?", haben die Grünen auf Wahlplakaten gefragt. Und wenn für die Grünen etwas bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP klar war, dann das: Transparenz gehört in der nächsten Bundesregierung zu den zentralen Anliegen. Wie kann sie gelingen? Und vor allem: Was fehlt in Österreich?

Der KURIER sprach mit Martin Kreutner, der sich zuletzt als Dekan der Anti-Korruptionsakademie in Laxenburg weltweit den Ruf eines Anti-Korruptionsexperten erarbeitet hat.

KURIER: Herr Kreutner, das Ibiza-Video hat die Innenpolitik enorm beeinflusst: Es gab den ersten Rauswurf eines Ministers, die erste Beamtenregierung und eine Nationalratswahl. Provokant gefragt: War Ibiza nicht doch nur eine b’soffene G’schicht? Streng genommen ist ja noch nichts passiert.

Martin Kreutner: Es ist sogar sehr viel passiert! Wir haben die unfreiwillige Demaskierung eines politischen Selbstverständnisses erlebt. Als ehemaliger polizeilicher Ermittler muss ich aber auch gleich die erste Warnung loswerden: Was wir im Ibiza-Video sehen konnten ist eine Prospektiv-Täterschaft. Wir sehen da jemanden, der sich offensichtlich darauf freut, an die Futtertröge der Macht zu kommen, um hier dann all das zu tun, was er bei vielen anderen vor ihm und um ihn herum beobachten konnte. So gesehen warne ich davor zu sagen: Das war’s jetzt, das sind nur zwei Einzelpersonen unter Vorfreude-Symptomatik. Es muss dem generell und speziell nachgegangen werden, was in diesem Video an- und ausgesprochen wurde. Auch wenn man fast schon "froh" darüber sein muss, wie die Personen im Video vorgegangen sind.

Warum sollte man froh sein?

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