Politik | Inland
05.04.2018

Wie die Kampagne gegen den Kärntner ÖVP-Chef lief

Die Bundes-ÖVP soll angeblich federführend beteiligt gewesen sein. Benger-Gegner sollen Parteichef Kurz kontaktiert haben.

Der abrupte Abgang des Kärntner ÖVP-Obmanns Christian Benger (im Bild mit seinem Nachfolger Martin Gruber, li.) mitten in den Vorbereitungen für eine rot-schwarze Koalition in der Landesregierung hat die Schwarzen in heftige Turbulenzen gestürzt. Bengers Entscheidung fiel überraschend, was den Zeitpunkt betrifft, Auslöser dürfte massives innerparteiliches Mobbing gewesen sein. Dazu probten auch noch Oberkärntner Bürgermeister den Aufstand.

SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser betonte schon am Mittwoch, ihm sei von massiven Interventionen der Bundes-ÖVP berichtet worden, die zu Bengers Rücktritt wesentlich beigetragen hätten. ÖVP-Funktionäre bestätigen in Hintergrundgesprächen diese Lesart, offiziell will allerdings niemand dazu Stellung nehmen. Jedenfalls sollen in sozialen Medien vor allem am Osterwochenende zahlreiche abfällige Kommentare über die Person Benger kursiert sein, die teilweise auch seine Familie nicht verschonten. Laut Medienberichten soll es zudem ein Treffen von Benger-Gegnern in einem Gasthaus gegeben haben, bei dem auch Bundesparteiobmann Sebastian Kurz kontaktiert worden sein soll. Dieser habe, so wird kolportiert, versichert, dass Benger "nächste Woche Geschichte ist".

Im Wahlkampf versteckt

Dass die Unterstützung der Bundes-ÖVP für den Kärntner Parteichef enden wollend war, wurde schon im Landtagswahlkampf deutlich. Benger war zwar Spitzenkandidat, wurde aber bei Plakatserien und Wahlkampfveranstaltungen regelrecht versteckt. Schon im Sommer vergangenen Jahres kursierten Gerüchte, wonach Benger abgelöst werden solle. Nach dem mäßigen Abschneiden der Volkspartei bei der Landtagswahl am 4. März hatten viele bereits mit seinem raschen Rücktritt gerechnet. Doch Benger überraschte mit Steherqualitäten, er ließ sich als Verhandlungsführer für die Gespräche mit der SPÖ nominieren und versicherte, die ganze Legislaturperiode Landesrat zu bleiben und im Sommer erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren.

Damit dürfte er für maßgebliche Kreise in der ÖVP zum Störfaktor geworden sein, und die Kampagne gegen ihn gewann zusätzliches Momentum. Dazu kommt noch ein Brief aus Oberkärnten, in dem die dortigen schwarzen Bürgermeister ultimativ einen Landesratssitz für den bisherigen Klubobmann Ferdinand Hueter fordern. Darin wird unverhohlen mit Abspaltung der dortigen Bezirksschwarzen gedroht, sollte dieser Forderung nicht nachgekommen werden.

Man werde beim Parteitag einen "eigenen Weg" gehen, heißt es da, und weiter: "Alle Funktionäre haben bereits zu erkennen gegeben, dass sie andernfalls nicht mehr bereit sind, etwas für die Landes ÖVP zu tun und auch bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2021 teilweise nicht mehr unter der VP-Flagge kandidieren werden." Hueter hatte vor zwei Tagen zudem sein Bürgermeisteramt in der Gemeinde Berg im Drautal zurückgelegt, das mit der Funktion eines Landesrates unvereinbar ist. Mit dem Wechsel an der Parteispitze ist ein Landesrat für Hueter aber wohl unerreichbar geworden. Zudem dürfte sich die Begeisterung über derartige Drohbriefe bei den Funktionären vor allem der anderen Bezirke wohl in eher eng gesteckten Grenzen halten.

Welche der zahlreichen Störaktionen letztlich das Fass zum Überlaufen und Benger zum Rücktritt gebracht haben, kann wohl nur er selbst beantworten. Doch Benger schweigt öffentlich zu dem Thema. Der einzige Hinweis, dass ihm übel mitgespielt wurde, ist gut versteckt in seiner Rücktrittsankündigung, nämlich in dem Detail, dass er sein Landtagsmandat annehmen will.