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Politik | Inland
06/15/2019

Werner Kogler auf den Spuren des grünen Hypes in Deutschland

Die Grünen werden bürgerlich. Und der Klimawandel macht inzwischen viel mehr Sorgen als „der Islam“.

In Deutschland liegen die Grünen erstmals in der Geschichte auf Platz 1 in den Umfragen: 27 Prozent, Kopf an Kopf mit Angela Merkels CDU. Am vergangenen Donnerstag war die Chef-Meinungsforscherin der CDU, Viola Neu, auf Besuch in Wien und analysierte das Phänomen der Grünen. In Deutschland ist es nicht neu, bereits bei der Landtagswahl in Bayern wurden die Grünen in München stärkste Partei.

In Österreich hat Werner Kogler die Grünen mit einem Überraschungserfolg bei der EU-Wahl wieder auf der politischen Landkarte platziert. Und der Chefanalyst der ÖVP, Franz Sommer, meint, dass der Hype nicht vorbei sei, sondern auch bei der Nationalratswahl im September durchschlagen werde.

Zunächst zum deutschen Befund, erstellt von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Viola Neu sagt, eine Basis für die breite Akzeptanz der Grünen sei, dass sie in die Mitte gerückt sind. Das Statement „Die Grünen stehen für eine moderne, bürgerliche Politik“, bejahen 52 Prozent der deutschen Grün-Wähler. Auf einer Skala von eins, sehr links, bis zehn, sehr rechts, verorten sich die deutschen Grün-Wähler bei vier – nicht gerade das, was man als linksradikal bezeichnen würde.

Nicht polarisieren hilft

Zudem änderte sich die Themenlage. Satte 77 Prozent der Deutschen sagen, sie „machen sich Sorgen, dass der Klimawandel die Lebensgrundlagen zerstört“. Angst vor „zu viel Islam“ haben zwar immer noch stattliche, aber doch im Vergleich zum Klimawandel abgeschlagene 47 Prozent.

Viola Neu: „Der Klimaschutz polarisiert nicht. Solange er nicht auf soziale oder wirtschaftspolitische Maßnahmen herunter gebrochen wird, sind alle dafür. Davon profitieren die Grünen, wenn sie nicht konkret werden.“

Werner Kogler steht mit dem Chef der deutschen Grünen, Robert Habeck, in regem Austausch. Kogler dürfte sich einiges von ihm abschauen. Seine Signale bei seiner Antrittsrede für den Nationalratswahlkampf zielten strikt in die gesellschaftliche Mitte. Es gehe um „Naturschutz“, um „Artenschutz“ („Das Aussterben von Tierarten wird völlig unterschätzt“), um einen umfassenden Umweltschutz. Man solle sich „nicht fürchten“ vor einem Ausstieg aus fossiler Energie, sondern einen „wirtschaftlichen Erfolg daraus machen“.

Anstatt zuzuwarten und dann „Milliarden Strafe zu bezahlen, wenn wir die Klimaschutzziele verfehlen“, sollte man das Geld „lieber investieren und auf die Überholspur kommen“. Die seinerzeitige schwarz-grüne Landesregierung in Oberösterreich habe gezeigt, dass man „Wirtschaft und Umweltschutz unter einen Hut bringen“ könne, warb Kogler.

Der Grüne Parteichef hat seine Lektionen aus der Meinungsforschung offenkundig gelernt. Geschickt spricht er SPÖ-Wähler an („Ich bin ein Kind der Kreisky-Jahre, war der Erste aus dem Dorf, der ins Gymnasium fuhr“). Und legt ein „Angebot an Christlich-Soziale“, die mit der „Jungtürkisentruppe“ nicht mitkönnten.

Bei der EU-Wahl im Mai haben die Grünen im Vergleich zur Nationalratswahl 2017 folgende Wählerwanderungen zu sich ausgelöst: 111.000 Stimmen von Pilz. 109.000 von der SPÖ. Und immerhin noch 52.000 von der ÖVP.