Ab Temperaturen von mindestens 35 Grad dürfen Fiakerpferde im Stall bleiben.

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Politik | Inland
06/26/2019

Wer in Österreich hitzefrei bekommen kann

Es gibt hierzulande keine allgemeine Regelung. Wer trotzdem hitzefrei bekommt - und woran sich der Arbeitgeber halten muss.

Meteorologen sind sich einig: Der Sommer 2019 dürfte einer der heißesten der Messgeschichte werden. Während Arbeitnehmer in anderen Ländern teilweise Anspruch auf verlängerte Pausen oder gar hitzefrei haben, gibt es in Österreich keine allgemeine Hitzeregelung - weder für Schulen noch in der Arbeitswelt.

Für Bauarbeiter ist es unter bestimmten Bedingungen trotzdem möglich, frei zu bekommen. Seit 2013 wird, neben Frost, Schnee, Regen und dergleichen, auch Hitze gesetzlich als Schlechtwetter bezeichnet. Bei besonders hohen Temperaturen kann der Arbeitgeber seinen Bauarbeitern demnach hitzefrei geben. Als Entschädigung erhalten die Arbeiter in diesem Fall 60 Prozent ihres Stundenlohns.

Für Arbeitgeber ist das Angebot durchaus attraktiv, sie erhalten von der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) eine Entschädigung, wenn sie hitzefrei geben. Seit Mai diesen Jahres wurde die Mindesttemperatur dafür von 35 Grad auf 32,5 Grad Celsius herabgesetzt.

"Im letzten besonders heißen Sommer, 2015, bekamen mehr als 7000 Bauarbeiter durch die Hitzeregelung frei", sagt der GBH-Vorsitzende Josef Muchitsch. Ihm sei wichtig zu betonen, dass die Arbeit an der Baustelle meistens schon in den kühlen Morgenstunden beginnt. "Bis 32,5 Grad erreicht werden, haben Bauarbeiter also schon acht oder mehr Stunden gearbeitet", sagt Muchitsch.

Ob durch die neue Regelung mehr Arbeiter hitzefrei bekommen als bisher, werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen - denn die Bauunternehmen stellen die Entschädigungsanträge stets rückwirkend. "Wir gehen natürlich von höheren Zahlen aus, aber Mitte Juli wissen wir mehr", sagt Muchitsch.

Wozu der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet ist

Alle anderen Arbeitnehmer in Österreich haben grundsätzlich keinen Anspruch, bei hohen Temperaturen der Arbeit fernzubleiben. Der Arbeitgeber muss aber in jedem Fall folgende Vorkehrungen treffen:

  • bei geringer körperlicher Belastung, also wenn die Arbeit hauptsächlich sitzend verrichtet wird: Die Raumtemperatur muss zwischen 19 und 25 Grad Celsius betragen.
  • bei normaler körperlicher Belastung, also wenn die Arbeit hauptsächlich stehend verrichtet wird: Die Raumtemperatur muss zwischen 18 und 24 Grad Celsius betragen.
  • bei hoher körperlicher Belastung, also wenn hauptsächlich körperliche Arbeit verrichtet wird: Hier wird die Sache schon schwieriger. Weil körperliche Arbeit häufig im Freien verrichtet wird, gilt es nur, eine Mindest-Raumtemperatur von 12 Grad Celsius zu gewährleisten.
  • Ist keine Klimaanlage vorhanden, so müssen sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um heiße Temperaturen zu senken. Dazu zählen beispielsweise nächtliches Lüften, beschattete Fenster oder Ventilatoren, die auf jeden Fall vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden sollten.

 Das Gesetz sieht nicht vor, dass der Arbeitsplatz klimatisiert werden muss. Ist aber eine Klimaanlage vorhanden, so gelten besondere Bestimmungen:

  • Die Raumtemperatur sollte 25 Grad Celsius nicht übersteigen.
  • Die relative Luftfeuchtigkeit muss einen Wert zwischen 40 und 70 Prozent aufweisen.
  • Es darf keine Zugluft entstehen.

Fiaker bekommen auf jeden Fall hitzefrei

Einer "Berufsgruppe" ist das Arbeiten bei hohen Temperaturen gesetzlich sogar verboten: Den Fiaker-Pferden. Ab 35 Grad Celsius dürfen sie nicht mehr zum Einsatz kommen und müssen im Stall bleiben. Auch in diesem Jahr trat diese Regelung schon in Kraft. Immer wieder gibt es Initiativen, die Temperaturmarke für Fiaker weiter zu senken.