Uni-Niveau weit weg von Amerika und Ankara

UNI WIEN - UEBERFUELLTER HOERSAAL
Foto: /Roland Schlager Überfüllte Hörsäle gibt es bei Top-Unis nicht – dafür Studiengebühren von einigen Hunderttausend Euro.

Österreich verliert international an Boden – Besserung nicht in Sicht.

Mehr Geld, mehr Professoren und eine viel härtere Auslese bei den Studienanfängern – das sind zentrale Schlagworte im Kampf um das beste Hochschulsystem der Welt.

In Österreich war am Tag nach der Veröffentlichung der Times-Rangliste der Top-Universitäten auch diesmal das Jammern groß. Die Uni Wien schaffte es als einzige der 21 heimischen Hochschulen unter die besten 200 der Welt – mit Platz 182. Aber: Unter 20.000 Hochschulen weltweit, gab der Chef der Universitätenkonferenz, der Salzburger Rektor Heinrich Schmidinger, zu bedenken. Also immerhin ein Platz im obersten 1-Prozent-Bereich.

Andererseits: 2005 lag die Uni Wien in diesem Ranking noch auf Platz 65.

Die meisten Top-Unis unter den besten hundert Hochschulen der Welt gibt es laut Times-Rangliste in den USA (45), vor Großbritannien (11), Deutschland und den Niederlanden (mit je sechs). Aber auch kleinere Staaten haben reüssiert – die Schweiz und Schweden haben je drei Unis unter den besten hundert, Belgien zwei, die Türkei mit der METU (Technische Universität des Nahen Ostens) bei Ankara immerhin eine. Drei weitere türkische Unis liegen noch vor der besten österreichischen Universität.

Mehr Exzellenz

Viele Regierungen auf der ganzen Welt geben der Entwicklung von Top-Unis inzwischen höchste Priorität. Russlands Präsident Wladimir Putin will noch bis 2020 fünf russische Hochschulen unter den Top 100 sehen, derzeit hat es mit Platz 196 nur die Lomonosov Uni in Moskau unter die Top 200 geschafft. In Japan will Präsident Shinzo Abe bis 2023 gleich zehn Unis unter den Top 100 haben (derzeit hat Japan zwei).

Aber was machen vergleichbare Länder besser als Österreich? Beim Vergleich mit der besten deutschsprachigen Uni (ETH Zürich auf Platz 13), der besten deutschen (Uni München auf Platz 29) sowie der besten türkischen (METU auf Platz 85) fällt auf: Alle drei Unis haben zusammen etwas weniger Studenten als die Wiener Uni. Das Betreuungsverhältnis Professoren zu Studenten ist in Wien eklatant schlechter – die Technische Hochschule hat in etwa gleich viele Professoren, aber um knapp 75 Prozent weniger Studenten. Auch der Notenschnitt der Reifeprüfung beziehungsweise der Studienzulassungsprüfung in der Türkei spielt bei der Zulassung eine viel größere Rolle als in Wien. Und nicht zuletzt haben die Unis natürlich ein deutlich höheres Budget pro Student.

Kampf ums Uni-Budget

"Budgetmäßig stehen bleiben heißt zurückfallen", bringt Rektoren-Chef Schmidinger seine Kritik entsprechend auf den Punkt. Mehr noch: "Jede einzelne Elite-Uni in den USA verfügt über so viel Geld wie alle österreichischen Unis zusammen."

Aber auch Deutschland investiere außerordentlich, seine Schweizer Kollegen loben immer ihre finanziellen Möglichkeiten. "Es wäre sehr schön, wenn wir das auch einmal sagen könnten", seufzt der Salzburger Rektor. Derzeit können die heimischen Unis nur hoffen, zumindest die steigenden laufenden Kosten – für drei Jahre sind das zusätzlich 615 Millionen Euro – vom Finanzminister zu bekommen. Damit könne man zumindest den Status quo absichern. Ein Sprung nach oben in den weltweiten Ranglisten wird damit nicht möglich sein.

Reaktion

Mitterlehner: "Das Ergebnis ist unerfreulich"

Wirtschaftskrise würde derzeit eine höhere Uni-Dotierung verhindern.

Für ÖVP-Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner ist das Ergebnis der Times-Rangliste "von der Tendenz her unerfreulich". Klare Verbesserungen seien kurzfristig nicht zu erwarten, man bemühe sich um eine bessere Dotierung der Hochschulen, sagte Mitterlehner zum KURIER, betonte aber, dass das schlechte Ergebnis nicht alleine am Geld liegen könne.

Mitterlehner gibt zu bedenken, dass jedes Jahr mehr und mehr Unis bei dem Ranking dabei sind, die Konkurrenz also härter werde. Bei der Uni Wien müsse zudem bedacht werden, dass die Medizin-Uni Wien 2004 ausgegliedert worden sei und deshalb ihre wissenschaftlichen Aktivitäten und Publikationen nicht mehr der Uni Wien zugerechnet werden könnten. Außerdem seien die Betreuungsrelationen Uni-Lehrer/Studenten zu groß.

Bei den derzeit laufenden Gesprächen zur Uni-Finanzierung werde man eine "einigermaßen harmonische und uns auch bei den Rankings hoffentlich nach vorne bringende Lösung erreichen".

Mitterlehner sprach sich im KURIER-Gespräch auch für bessere Steuerungsregelungen beim Uni-Zugang aus. Er wolle aber auch eine bessere Finanzierung der Unis durch steuerbegünstigte Stiftungen erreichen.

(kurier) Erstellt am
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