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Ausbildung bis 18
04/28/2016

Weg von der Straße: Lehrstellen oder AMS-Kurse für junge Flüchtlinge

Die Sozialpartner nehmen sich der Flüchtlingsfrage an.

von Michael Bachner

Insbesondere junge Asylwerber sollen weg von der Straße geholt werden, um zu verhindern, dass sie in die Kleinkriminalität abrutschen. 86.000 Flüchtlinge sind insgesamt in der staatlichen Grundversorgung, davon sind rund 9500 zwischen 14 und 19 Jahre alt.

Für diese jungen Menschen haben die Sozialpartner der Regierung etliche Maßnahmen vorgeschlagen, die zwischen SPÖ und ÖVP – teils kontroversiell – diskutiert werden. In sechs Wochen, also nach der Hofburg-Stichwahl, soll es Ergebnisse geben. Das haben Kanzler Faymann und Vizekanzler Mitterlehner versprochen.

Der Leitende Sekretär im ÖGB, Bernhard Achitz, wirbt dafür: "Wenn man junge Leute integrieren will, müssen sie möglichst früh eine gescheite Ausbildung bekommen, sonst werden sie in den Betrieben nur zur Hilfsarbeit herangezogen."

Angedacht ist ein Mix aus beschleunigten Asylverfahren und besserer Sprachförderung. Dazu kommt ein nahezu revolutionärer Schritt, der bisher noch kaum in der öffentlichen Debatte angekommen ist.

Lehre für alle

Die Sozialpartner sprechen sich für die vollständige Öffnung des Lehrstellenmarktes "in allen Berufen für jugendliche Asylwerber mit hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit" aus. Das sind junge Syrer, Iraker, Iraner und Afghanen. Bisher dürfen junge Flüchtlinge nur dort eine Lehre beginnen, wo sich zu wenige einheimische Jugendliche finden – in sogenannten "Mangelberufen". Aufbauend auf dieser Total-Öffnung der Lehre wollen die Sozialpartner, dass junge Flüchtlinge in die "Ausbildung bis 18" mit aufgenommen werden. Das heißt: Sollten die Jungflüchtlinge nach Erfüllung der Schulpflicht keine Lehrstelle finden, würden sie Zugang zur bereits bestehenden staatlichen "Ausbildungsgarantie" bekommen – also die breite Palette von AMS-Kursen bis zu den überbetrieblichen Lehrwerkstätten etc.

AMS-Chef Johannes Kopf sagte dazu im KURIER-Gespräch: "Diese Schritte wären sehr zu begrüßen. Dafür muss man auch Geld in die Hand nehmen. Jugendliche dürfen nicht nichts tun, sonst kommen sie nur auf blöde Ideen."

Im Sozialministerium hört man das gerne. Dort verweist man auf den ersten, bereits erfolgten Schritt: den massiven Ausbau der Deutschkurse. Die besagten Arbeitsmarkt-Maßnahmen für junge Flüchtlinge wären "der logisch nächste Schritt". Ganz anders sieht man das im ÖVP-geführten Finanzministerium: "Das BMF sieht den Vorschlag nach wie vor sehr kritisch: Das AMS kann nicht das Schulsystem ersetzen. Hier ist das zuständige Ressort gefordert, entsprechende Deutschkurse anzubieten."

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