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Politik Inland
05/18/2019

"We make party now": Was im Ibiza-Video zu sehen ist

Strache spricht über die Vergabe staatlicher Infrastruktur-Aufträge gegen Wahlkampfhilfe und eine ORF-Reform à la Orban.

„Wie gelähmt“ soll Strache schon Freitagfrüh gewesen sein, hatte der KURIER aus dem Umfeld des Vizekanzlers erfahren. Da wusste Heinz-Christian Strache bereits, was auf ihn zukommt, dass es ein Video einer heißen Sommernacht in Ibiza gibt und dass das für ihn gar nicht gut ausgehen wird.

Die Videoaufnahmen vom 24. Juli 2017, rund drei Monate vor der Nationalratswahl, aus versteckten Kameras in einer Villa in den Hügeln nahe Ibiza Stadt aufgenommen, haben Strache nach 516 Tagen als Vizekanzler der Republik das Amt und all seine Parteifunktionen gekostet. Und möglicherweise haben sie auch strafrechtliche Folgen.

Red Bull Brother from Austria

Heiß war es an jenem Montagnachmittag auf der Partyinsel, als FPÖ-Chef Strache gemeinsam mit dem damaligen Wiener FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus und dessen Frau Tajana in der Villa eintrafen, zu einem Abendessen mit Seebarsch-Carpaccio, Champagner und gläserweise Vodka-Red Bull. „I'm the Red Bull brother from Austria“, wird Strache später am Abend witzeln.

Strache und Gudenus glauben an eine Einladung der Nichte Aljona des russischen Oligarchen und Putin-Freundes Igor Makarow. Tatsächlich gehört die elegante, schlanke Dame, die in Begleitung eines deutschen Freundes ist, nicht zum russischen Geldadel, sie ist vielmehr ein Lockvogel. Gudenus hatte, berichtet die SZ, die Dame schon Monate davor erstmals in Wien getroffen, man fand Gefallen aneinander.

Die falsche Frau Makarowa bietet in der Villa Geschäfte an: Sie würde gern ein paar hundert Millionen Euro in Österreich investieren und von Strache wissen, ob man da nicht zusammenarbeiten könnte.

Krone-Übernahme

Hellhörig wird Strache dann, als die Dame im schwarzen Kleid (Strache: „Bist du deppert, die ist schoarf“) von ihrem Plan erzählt, die Hälfte der Krone übernehmen zu wollen und die Zeitung dann zu benützen, um Strache und seine FPÖ im Wahlkampf zu unterstützen. „Zack, zack, zack“, sagt Strache, würde er dort dann einige Journalisten „pushen“, andere Redakteure abservieren. Journalisten seien sowieso „die größten Huren auf dem Planeten“.

Wenn es die Chance gäbe, die FPÖ zwei bis drei Wochen vor der Wahl zu pushen, redet sich Strache in Ekstase, „dann machen wir nicht 27, dann machen wir 34 Prozent“ (bei der Nationalratswahl 2017). Jeder Artikel, der „uns zugutekommt, treibt Rot und Schwarz die Weißglut ins Gesicht“. Und mit der Krone spiele sie (Frau Makarowa) „mit bei den zehn mächtigsten Leuten Österreichs“. Wenn die russische Geschäftspartnerin die FPÖ „auf Platz eins bringt“, dann „können wir über alles reden“. Das ist der Schlüsselsatz.

Orban'sche ORF-Reform

Er reicht in seiner Bedeutung bis Ungarn. Strache will, wie Freund Viktor Orban schon in Ungarn, die Medienlandschaft umkrempeln und an die Kandare nehmen. So erzählt er von Investor Heinrich Pecina, ein „großer Player“, der „für Orban alle ungarischen Medien der letzten 15 Jahre aufgekauft und für ihn aufbereitet hat“. Und dann: „Wir könnten uns vorstellen, den ORF auf völlig neue Beine zu stellen.“ Tatsächlich arbeitet die Regierung an einer großen ORF-Reform.

„Das weiße Gold“

Strache spricht aber auch, wie man mit Österreichs Wasser Geld machen kann. Für „das weiße Gold“, wie er sagt, wolle man eine Struktur schaffen, „wo wir das Wasser verkaufen, wo der Staat eine Einnahme hat und derjenige, der das betreibt, genauso eine Einnahme hat.“ Man müsse sich dann nur um die Prozente streiten.

„Das Erste“, was er in einer Regierungsbeteiligung zusagen könne, sei: „Der Haselsteiner kriegt keine Aufträge mehr.“ Da „haben wir ein Riesenvolumen“, spricht er die viele Milliarden schweren Staatsaufträge im Infrastrukturbereich an. Beim Autobahnbau sei er „sofort dabei“, nämlich „statt Haselsteiner jeden öffentlichen Auftrag“. Und: „Beim staatlichen Auftrag hast du das.“

Illegale Parteienfinanzierung

Strache erzählt dann noch, wie man in Österreich das Parteiengesetz umgehen kann, um illegal Spenden kassieren zu können. Strache und Gudenus wollen gar nicht, dass die vermeintliche Millionärin direkt an die FPÖ spendet, sondern „über den Verein“. Wenn man nämlich an eine Partei spendet, klärt Strache richtig auf, „geht das an den Rechnungshof, und das will keiner“. Mit dem Verein ließe sich das umgehen, der sei gemeinnützig und habe nichts mit der FPÖ zu tun. Gudenus sagt auf russisch, der Verein sei geheim, niemand wisse Bescheid.

Es wird dann von Strache auch politische Schmutzwäsche gewaschen – über Sebastian Kurz und über den damaligen SPÖ-Chef Christian Kern.

Gudenus’ Frau Tajana ist die einzige, die mehrmals skeptisch fragt, ob das nicht alles eine Falle sei. Gatte und Strache winken aber ab. Dennoch sagt Strache mehrmals in dem Video: „Aber es muss immer rechtskonform, legal und mit unserem Programm übereinstimmen.“

Nach Mitternacht geht’s ab in die Disco: „High, High, High Society“, singt Strache beim Gehen und gibt als Losung aus: „We make party now!“