Politik | Inland
26.11.2017

Hochschulpolitik: Was zur Uni-Exzellenz alles fehlt

Für Spitzenforschung fehlen nicht nur Milliarden, sondern auch bessere Rahmenbedingungen.

1,35 Milliarden Euro hat der Nationalrat noch im Juni Österreichs Unis per Gesetz zugeschanzt, das Gesamtbudget für alle 21 Universitäten steigt ab 2019 somit auf rund 3,7 Milliarden jährlich.

Ist damit endlich der Sprung zur Weltspitze möglich? Eher nicht. Denn Forschung, sofern sie nicht rein geisteswissenschaftlich ist, kostet Geld. Viel Geld.

Zum Vergleich: Das Stiftungsvermögen der US-Uni Harvard beträgt 31,3 Milliarden Euro. Im benachbarten Yale sind es 21,4 Milliarden. Vergleichsweise lächerliche 6,4 Milliarden Euro hat die reichste europäische Uni, Cambridge im Vereinten Königreich, knapp vor der in den meisten Uni-Rankings führenden Universität Oxford mit 5,7 Milliarden Euro.

Vorbild München

"Man muss aber nicht so weit in die Ferne schauen, ein Blick über unsere Grenzen genügt, um zu sehen, dass auch deutsche und Schweizer Universitäten finanziell bestens ausgestattet sind. "Die Ludwig-Maximilians-Universität München verfügt über ein Jahresbudget von über 1,7 Milliarden Euro, die ETH Zürich von über 1,7 Milliarden Schweizer Franken", doziert Edeltraud Hanappi-Egger, Rektorin der WU Wien, im Gespräch mit dem KURIER. "All diese Institutionen haben außerdem beste Betreuungsverhältnisse (Lehrende zu Studierende), Aufnahmeverfahren und können sehr autonom entscheiden."

Damit, schließt die Rektorin, sei klar, dass Österreichs Universitäten mit den derzeitigen Rahmenbedingungen mit den besten der Welt nur bedingt wettbewerbsfähig sein können.

Man muss kein Visionär sein, um zu erkennen, dass das ein Problem ist und ein noch größeres werden wird. Unsere Volkswirtschaft wird Spitzenleistungen aus dem Bereich der Forschung brauchen, um auf europäischer und noch mehr auf internationaler Ebene wettbewerbsfähig zu bleiben. Dafür braucht es aber einen Hochschulplan der Politik.

Machtpolitisch blieb der Hochschulpolitik zuletzt nicht einmal ein eigenes Ressort, sie wurde dem (schwarzen) Wirtschaftsministerium unterstellt. Und die schwarzen Reformpläne fanden bis zum Schluss keinen Gefallen beim roten Koalitionspartner. Und so geschah es, dass zwar die Uni-Budgets erhöht wurden, die Unis dennoch nicht glücklich waren – weil die Bedingungen nicht passen und nur die Politik das ändern könnte.

Internationaler Vergleich

In den großen internationalen Vergleichsstudien schneiden Österreichs Universitäten wenig überraschend nicht gut ab, gerade einmal die Uni Wien schafft es unter die Top-200 (siehe Grafik).

Solche Vergleiche sind nicht zuletzt angesichts der monströsen Budgets der Top-Unis unfair. Denn Exzellenz gibt es natürlich auch in Österreich, wenn auch nur in Teilbereichen: Die TU Wien erreicht im weltweiten Vergleich in den Computerwissenschaften Platz 45, die Uni Wien hält als bestes Resultat in den Geistes- und Kulturwissenschaften Platz 50. Und auch die Med-Uni Wien zählt international durchaus zu den Top-50.

"Wir haben echte Spitzenforschung, etwa bei der Quantenkommunikation, bei molekularer Biotechnologie, bei der Mikrobiologie und der Mathematik", betont auch Uni-Wien-Rektor Heinz Engl. Er sieht Geldmangel für Forschungsprojekte als größtes Hindernis für mehr Exzellenz: "Der Forschungsfonds FWF kann nur mehr 20 Prozent der eingereichten Projekte finanzieren, da bleiben Projekte liegen, die als exzellent beurteilt werden. So etwas spricht sich auch international unter Forschern herum."

Wie seine Rektorenkollegin sieht er als großes Problem zuerst einmal die Rahmenbedingungen. "Es stößt international stets auf großes Unverständnis, dass Österreichs Unis keinen geregelten Zugang haben und nicht selbst definieren dürfen, wie viele Plätze sie anhand der vorhandenen Kapazitäten anbieten können", sagt Hanappi-Egger. Unis sollen sich die besten Studenten auswählen können, und natürlich brauche es auch ein sinnvolleres Stipendiensystem, denn "die schlauesten Köpfe finden sich in allen sozialen Schichten".

Was kommt?

Derzeit ist nicht absehbar, was die neue Koalition plant. Positiv angemerkt wird, dass "Wissenschaft und Forschung" im Cluster "Zukunft" verhandelt wird, als auch, dass mit Markus Hengstschläger ein internationaler Spitzenforscher (Genetik) im Verhandlungsteam ist.

Gute Chancen auf Verwirklichung hat die "Studienplatzfinanzierung", also Limits bei Anfängerstudienplätzen, dafür aber bessere Betreuungsquoten. Beim Medizinstudium gibt es das seit einem Jahrzehnt, und die Drop-out-Quote (Studienabbruch) ist von rund 90 Prozent auf unter zehn Prozent gefallen. Diskutiert wird dem Vernehmen nach auch wieder über flächendeckende und höhere Studiengebühren. Entscheidung soll darüber aber noch keine gefallen sein.