Salomonisch
10/15/2016

Was Frauen vom Geldverdienen abhält

von Martina Salomon

Am Dienstag war "Equal Pay Day". Er zeigt die Einkommenslücke zwischen Mann und Frau – ab diesem Tag arbeiten Frauen "gratis". Österreich schneidet schlecht ab. Haben Johanna Dohnal und ihre Nachfolgerinnen plus zahllose Gleichbehandlungsbeauftragte versagt?

Die Diskussion ist seit den Siebzigerjahren in einer Endlosschleife hängengeblieben. Benachteiligte Frauen hie, Machtmänner dort. Die Welt kann so schön schwarz-weiß sein. Ist sie in Wirklichkeit natürlich nicht. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass Firmen bewusst ungleich bezahlen und daher mit noch mehr Regeln zu Gerechtigkeit genötigt werden müssen? Die Gründe für unterschiedliche Einkommen sind vielschichtiger. Ja, noch immer gilt, dass Frauen mehr unbezahlte Familienarbeit leisten und Karenzzeiten karrierehemmend sind – das betrifft aber auch immer mehr junge Männer. "Work-life-balance" wird jungen Menschen beiderlei Geschlechts immer wichtiger. Firmenchefs macht das nicht unbedingt glücklich. Und – Überraschung! – Teilzeitarbeitende verdienen weniger.

Marketing statt Finanzen

Frauen sparen sich allerdings Bundesheer und Zivildienst. Weil sie als Mütter ohnehin Dienst an der Gesellschaft leisten, so das Argument. Aber gilt das noch in Zeiten, wo viele Frauen kinderlos bleiben oder sich die Elternkarenz mit ihrem Partner teilen? Etliche Gründe für Einkommensungleichheit sind außerdem weiblich "hausgemacht": Frauen studieren lieber Geisteswissenschaften als Technik, interessieren sich eher für Marketing als für Finanzen. Da ist die Aussicht auf gutes Geld kleiner. Frauen im ASVG-Recht gehen außerdem fünf Jahre früher in Pension (bzw. werden dazu gedrängt), daher fehlt ihnen oft der letzte Karriereschritt und damit auch ein Verdienstsprung.

Frauen sind nicht immer nur Opfer. Manche finden es bequemer, sich vom (Ex-)Mann und/oder der Sozialhilfe finanzieren zu lassen, als sich die Mühen eines 38,5-Stunden-Jobs anzutun. Natürlich "verkaufen" sich viele Frauen bei Gehaltsverhandlungen auch schlechter als Männer, verzichten auf Statussymbole wie Dienstauto.

Kopftuchfrauen

Auf dem Papier müsste die Schere bei uns zugehen, schließlich haben Frauen die Männer bei der Bildung überflügelt. Dass dem nicht so ist, liegt auch am gerne verschwiegenen Faktor Migration. Weil überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Regionen mit patriarchalischen Strukturen zu uns kommen, öffnet sich der bejammerte "gap" gerade wieder. Es ist erstaunlich, wie linke Feministinnen die Unterdrückung dieser Frauen kleinreden. Vor 50 Jahren herrschte in Österreich auch noch keine Gleichberechtigung, unsere Großmütter trugen ebenfalls Kopftuch, heißt es dann. Aber die damaligen jungen Frauen bedeckten ihre Haare aus hygienischen Gründen freiwillig – und nicht in der Annahme, dass eine Haarsträhne Männer sexuell reizen könnte. Neuerdings findet man sich sogar plötzlich in Diskussionen wieder, wo aufgeklärte Menschen finden, die jungen Frauen seien halt manchmal wirklich etwas zu geschmacklos-freizügig angezogen.

Vorschlag: Liebe Frauen, kehren wir am nächsten Equal Pay Day ein bisserl vor der eigenen Tür, bevor wir (richtigerweise) unseren Männern den Besen in die Hand drücken.

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