Politik | Inland
22.10.2018

"Warum wir uns für die Rettung der Erde erwärmen sollten"

Klimawandel-Buch: Die bekanntesten Klimaforscher Österreichs erklären unsere Misere und zeigen Auswege.

Ist es nicht gut, wenn es wärmer wird? Gab’s nicht schon immer Klimaschwankungen? Warum sollen zwei Grad Erderwärmung ein Problem sein? Können wir uns nicht ohnehin technisch an den Klimawandel anpassen? Wird  Geo-Engineering nicht ohnehin alles lösen? Und wurde mit der Einigung zum Pariser Klimaabkommen nicht schon alles gelöst? Und wie stehen wir in Österreich da?

Weniger als 2° Celsius Erderwärmung

Es sind diese Fragen, die von den beiden Wissenschaftlern Helga Kromp-Kolb und Herbert Formayer in ihrem neuen Buch „2 Grad – Warum wir uns für die Rettung der Welt erwärmen sollten“ auf kompakten 200 Seiten beantwortet werden. Es sind 150 Seiten Sorgen, ja Angst. Und 50 Seiten Hoffnung, denn die beiden erklären nicht nur sachlich und leicht verständlich, wo wir in Österreich und weltweit stehen, sie geben auch Beispiele, was die Politik   und was jeder für sich gegen das „scheinbar Unvermeidliche“ tun kann.

 

 

Wie sich unsere Natur verändert

„Der Klimawandel speziell der letzten Jahrzehnte hat bereits klare Auswirkungen in der Natur und in unserem Alltag“, schreiben die Forscher am Anfang ihres Buches. Seit den 1970er-Jahren betrage der Temperaturanstieg weltweit ein halbes Grad, im Alpenraum etwa 1,5 °C.

Frostschäden

Das führe dazu, dass etwa die Apfelblüte inzwischen rund zwei Wochen früher beginnt – der frühere Vegetationsbeginn macht   Pflanzen aber auch anfälliger für schwere Frostschäden, was 2016 und 2017 auch geschehen ist. Das wärmere Wetter hilft zudem invasiven Arten, sich auszubreiten, wie dem hochallergenen Ragweed oder dem Riesenbärenklau, der bei Berührung schmerzhafte Verbrennungserscheinungen verursacht.

 

Schnecken und Spinnen

Zu den invasiven Tierarten, die vom Klimawandel profitieren, gehören die rote Spanische Wegschnecke, die Dornfingerspinne oder der Asiatische Marienkäfer, der eine Gefahr für heimische Marienkäfer darstellt. Immer problematischer ist aber die Ausbreitung diverser Stechmückenarten, die Krankheiten übertragen können, oder des Maiswurzelbohrers, mit dem immer mehr Bauern zu kämpfen haben.

 

Marienkäfer können manchmal zu Tausenden in die Wohnung ziehen

 

Die Erwärmung, führen die Forscher weiter aus, hat bei uns sogar einige positive Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die jedoch durch die Zunahme von Extremwetterereignissen und  zunehmender Trockenheit häufig zunichtegemacht werden.

Beim  Tourismus gebe es im Sommer auch positive Auswirkungen, für den  Wintertourismus  negative: Steigen die Temperaturen im Mittel um über 2 °C, wird es häufig auch im Winter bis 1500 Meter und darüber hinaus regnen. 

586 Hitzetote

Dramatisch sei das auch für die Österreicher   –  für das Jahr 2017, in dem es fünf Hitzewellen gab, komme die Gesundheitsagentur AGES auf 586 Hitzetote – deutlich mehr als im Straßenverkehr (413).

Und weltweit?

Die Liste der Auswirkungen wird immer länger – seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist durch Schmelzwasser der Meeresspiegel um 20 Zentimeter gestiegen, derzeit steigt er um vier Millimeter pro Jahr, Tendenz steigend: Im Mittel schmelze jedes Jahr die Fläche Österreichs in der Arktis ab.

 


Die Wüstenbildung nimmt zu, ebenso Extremwetterereignisse wie Dürren und Hochwasser. Und das führe weltweit zu  Wander- und Fluchtbewegungen von Millionen von Menschen.

Hoffnung?

Natürlich sehen Kromp-Kolb und Formayer den raschen Ausstieg aus den Klimawandel-Verursachern Öl, Gas und Kohle als alternativlos an, ebenso wie Maßnahmen, um sich dem Klimawandel anzupassen – das sei aber nur bedingt möglich. Weshalb vor allem die Politik, die viel zu wenig unternehme gefordert sei, noch mehr aber jeder einzelne, seinen Lebensstil grundlegend zu überdenken. Und da zeigen sie national wie international hervorragende Beispiele und Vorbilder.