Politik | Inland
30.01.2018

Warum Strache auf Burschenschaft statt Buberlpartie setzt

Für Minister-Kabinette rekrutiert die FPÖ-Regierung vor allem bei schlagenden Schüler- und Studentenverbindungen.

"Burschenschaften haben nichts mit der FPÖ zu tun", sagt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Das ist, bei aller Zurückhaltung, eine kaum haltbare Behauptung. Vizekanzler Strache (Vandalia Wien) sowie vier seiner fünf Stellvertreter als FPÖ-Chef gehören einer Burschenschaft an (OÖ FP-Chef Manfred Haimbuchner: Corps Alemannia Wien zu Linz, Justizsprecher Harald Stefan: Olympia Wien, Infrastrukturminister Norbert Hofer: Marko Germania zu Pinkafeld, geschäftsführender FPÖ-Kubobmann Johann Gudenus: Aldania und Vandalia Wien).

Auch die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller ( Iduna Linz) ist deutsch-national orientiert.

>> Blaue Comebacks nach braunen Rülpsern

Per 18. Dezember haben im freiheitlichen Lager zahlreiche Burschenschafter Karriere-Sprünge in zentrale Funktionen geschafft: So sind etwa die Kabinettschefs von Strache und Innenminister Herbert KicklRoland Weinert und Reinhard Teufel – Mitglieder der schlagenden Innsbrucker Brixia und Suevia. Michael Klug, Kabinettschef von Verteidigungsminister Mario Kunasek, soll Mitglied einer schlagenden Verbindung in Graz sein.

Und nicht nur die Büro-Chefs, sondern selbst die einfachen Mitarbeiter folgen ideologisch einer deutsch-nationalen bis völkischen Ausrichtung. Ein kleiner Auszug: Ex-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer vertraut mit Herwig Götschober (Bruna Sudetia) , Arndt Praxmarer (Suevia Innsbruck), Irmgard Fischer (Nike Wien) und Roland Esterer (Saxonia Wien, Frankonia-Brünn Salzburg) in seinem Büro ausgesuchtem Personal; Sektionschef Andreas Reichhardt (Cimbria Wien) wurde der Aufstieg zum Generalsekretär in Aussicht gestellt. Auch Sozialministerin Beate Hartinger-Klein hat sich stramm Deutschnationale wie Dominic Keuschnig ("persönlicher Referent", Tauriska Klagenfurt) und Volker Knestel (Kabinettschef, Nibelungen Bregenz) in ihr Büro geholt. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Warum die blaue Regierungsspitze auf die Expertise der Schlagenden vertraut, ist schnell erklärt.

"Es geht nicht unbedingt um die generalstabsmäßige Übernahme der Ministerien durch die völkischen Verbindungen", sagt Bernhard Weidinger , Rechtsextremismus-Forscher am Dokumenationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW). Die hohe Zahl an schlagenden Verbindungsmitgliedern in führenden Positionen sei einem simpleren Grund geschuldet: "Im Vergleich zu den ,Karrieristen’, wie sie die , Buberlpartie’ unter Jörg Haider war, bürgen die Mitglieder der Studentenverbindungen aus Sicht der Freiheitlichen für eine höhere Verlässlichkeit. Sie sind ideologisch einordenbar und gefestigt."

Mit ideologisch gefestigt ist man im Kern da, was an den völkischen Verbindungen im Jahr 2018 irritiert. Denn Wahlsprüche wie "Deutsch und treu in Not und Tod" vertragen sich nur bedingt mit österreichischem Patriotismus.

Beispiele? Gibt es – neben dem aktuell diskutierten, antisemitischen und NS-verherrlichenden Liederbuch der Germania Wiener Neustadt – zuhauf: Für die Mädelschaft Nike ist der 8. Mai 1945 – also der Tag der Befreiung Österreichs – ein Trauertag; folgerichtig begeht sie am 19. November den "Heldengedenktag" – ein Relikt aus der Zeit der NS-Propaganda.

Die schlagende Olympia fand und findet nichts dabei, dass in ihrer Bude Holocaust-Leugner wie David Irving Vorträge halten.

Und 2009 pilgerte – um die Brücke zur Gegenwart zu schlagen – der aktuelle Social-Media-Beauftragte des Verkehrsministeriums zu Ehren des Nazis Walter Nowotny auf den Wiener Zentralfriedhof. Damals dabei: die Rechtsextremisten Wolfgang Lechner und Martin Sellner. Sellner ist bei den rechtsextremen Identitären aktiv.