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Reise(un)freiheit
06/03/2020

Warum Österreich bei Italien auf der Bremse steht

Österreich öffnet die Grenzen zu allen Nachbarländern mit Ausnahme Italiens. Das kann sich bald ändern.

Drei Monate nach dem Lockdown und vier Wochen vor Beginn der Sommerferien ist es soweit. Österreich öffnet heute, Donnerstag, die Grenzen zu seinen Nachbarländern. Langsam und mit einer Ausnahme. Warum Österreich bei Italien auf der Bremse steht, es aber freie Fahrt für Slowenien gibt – die wichtigsten Fragen.

Warum öffnet Österreich die Grenzen zu sieben Nachbarländern ab 4. Juni, während Deutschland die Reisewarnung für 31 Länder in Europa per 15. Juni kippt?

In Deutschland gelten für Einreisende aus EU- und Schengen-Staaten keine Quarantäneauflagen oder Covid-19-Tests mehr. Österreich möchte seine Einreisebestimmungen nicht künstlich aufrecht erhalten – auch, weil die Infektionszahlen der Nachbarländer dafür sprechen. Kraft der „Schengener Ausgleichsmaßnahmen“ können Reisende jedoch weiter stichprobenartig überprüft werden.

Ab wann gilt die Reisefreiheit wieder und für wen?

Ab 4./5. Juni (sobald die Verordnung fertig / in Kraft ist) besteht uneingeschränkte Reisefreiheit zu Deutschland, Liechtenstein, der Schweiz und Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn. Das heißt: Es ist keine Kontrolle an der Grenze, kein Test bei der Ein-, keine Quarantäne nach der Ausreise nötig. Tschechien und die Slowakei könnten laut KURIER-Informationen Österreichs Beispiel folgen und ihre Bestimmungen (Quarantäne, triftiger Reisegrund, u. a.) noch vor dem 15. Juni lockern. Beim 15. Juni als Grenzöffnungstag zu den Nachbarn bleibt indes die Schweiz.

Italien öffnet die Grenze, Österreich nicht. Warum?

Weil die Infektionszahlen nur in einzelnen Regionen Italiens für eine Öffnung sprechen. „Unser Ziel ist klar: Eine Öffnung zu Italien, sobald die Zahlen es zulassen“, sagt Außenminister Alexander Schallenberg. Auch die Schweiz und Slowenien öffnen für Italien noch nicht – während in Italien selbst seit Mittwoch wieder uneingeschränktes Reisen möglich ist. Italiens Außenminister Luigi Di Maio kritisiert darob, „individuelles Verhalten schade der EU“, und er hofft auf schnelle Lösungen. Die stellt Schallenberg auch indirekt in Aussicht, indem er mehrfach betont: „Der heutige Beschluss ist eine Momentaufnahme.“ Es gebe laufend bilaterale Gespräche. Gesundheitsminister Rudolf Anschober will demgemäß nicht ausschließen, dass eine „teilweise Öffnung“ zu italienischen Regionen bis zum 15. Juni möglich sein wird. Status quo jetzt ist: Österreicher, die aus Italien kommen, müssen einen negativen PCR-Test haben oder in Quarantäne.

Ist ein Südtirol-Urlaub heuer möglich?

Davon geht Tirols Landeshauptmann Günther Platter ab 15. Juni aus. „Zumindest zu Südtirol und Trentino müssen die Grenzen aufgehen.“

Kroatien hat wie Italien seine Grenzen geöffnet. Kann ich via Slowenien nach Kroatien reisen?

Ja, die Durch- und Weiterreise nach Kroatien ist für Österreicher bereits jetzt möglich. Allerdings gilt bei einer Rückkehr nach Österreich weiterhin die 14-tägige Quarantänepflicht oder ein negativer PCR-Test.

Fällt der Frankreich- oder Spanien-Urlaub wegen Österreichs Regeln ins Wasser?

Frankreich hat bis dato strenge Richtlinien; nur mit triftigem Grund ist eine Einreise überhaupt möglich. Die Restriktionen gelten bis 15. Juni, Hotels öffnen am 22. Juni. Spanien zählt wie Großbritannien und Schweden aus Sicht des Außenministers zu den „schwierigen Fällen“. Das heißt, man könne nicht sagen, wann Österreich seine Bestimmungen diesen Ländern gegenüber lockern wird. Ausschlaggebend sind – wie bei Italien – die Infektionszahlen. Die Zahl der Erkrankten pro 100.000 Einwohner liegt in Österreich derzeit bei 8,4, in Deutschland bei 12,3, in Ungarn bei 14,8 – in Italien bei 91,4. Anhand von Zahlen wie dieser werde laufend auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene über mögliche Lockerungen gesprochen. Auf EU-Ebene werde derzeit intensiv über eine einheitliche Regelung mit Drittstaaten diskutiert.

Wird von Ferien in Griechenland abgeraten?

Urlaub in Griechenland war de facto schon bisher möglich mittels zwei bis drei Direktflügen und mit verpflichtender Quarantäne vor Ort. Für Griechenland gilt laut Außenministerium weiter Sicherheitsstufe 4. Wie schnell sich diese ändern wird, ist offen. Fix ist, dass die Austrian Airlines ab 15. Juni wieder schrittweise 37 Destinationen (von Amsterdam über London und Nizza bis Tel Aviv und Zürich) anfliegen werden. Heute, Donnerstag, wird zudem der Sommerflugplan der AUA für Juli präsentiert, der auf Grenzöffnungen schließen lässt. Auf der Langstrecken sind Flughäfen an der US-Ostküste ebenso zu finden wie Urlaubsflüge nach Griechenland.