Politik | Inland
25.01.2018

Warum Faßmann hohen Reformdruck hat

Der neue Minister für Bildung und Wissenschaft erklärt, wie die Deutsch-Förderung greifen soll und welche Modelle Studienplätze limitieren sollen.

Der Fokus der Bundesregierung bleibt in der kommenden Woche auf der Bildungsreform: Am Mittwoch brachte Bildungsminister Heinz Faßmann die Neuregelung der Deutschklassen durch den Ministerrat, kommende Woche geht es um die Uni-Studienplatzfinanzierung.

Deutschklassen

Dass die Deutschförderklassen so schnell umgesetzt werden, ist kein Zufall, wie Faßmann beim Besuch in der KURIER-Redaktion am Mittwoch erläuterte: "Das Problem, dass so viele Kinder dem Unterricht nicht folgen können, ist so ernsthaft, dass wir keine Zeit verlieren dürfen."

Bei der geplanten Reform wurde am Mittwoch noch eine Änderung bekannt: Schüler, die eine Deutschförderklasse erfolgreich absolviert haben und in den Regelunterricht wechseln, sollen künftig nicht wie bisher automatisch, sondern nur mehr "in begründeten Fällen beziehungsweise in Ausnahmen" in die nächste Schulstufe aufsteigen dürfen. Dadurch solle das Nachholen des Lernstoffes und ein entsprechender Lernfortschritt sichergestellt werden, so Faßmann. Wer also etwa in der ersten Schulstufe eine Deutschförderklasse erfolgreich absolviert, steigt nicht in die zweite Klasse auf, sondern wiederholt das reguläre erste Schuljahr.

Durch dieses Modell sollen zunächst alle Schüler, denen bei der Schuleinschreibung von der Direktion sprachliche Mängel attestiert werden, einem einheitlichen standardisierten Test unterzogen werden. Dieser soll klarstellen, ob das Kind der deutschen Sprache soweit mächtig ist, dass es dem Unterricht folgen kann. Ist das nicht der Fall, wird der Schüler zu einem "außerordentlichen" und muss eine eigene Deutschförderklasse besuchen. Dort wird nicht mehr wie bisher nur elf, sondern in 15 bis 20 Wochenstunden und nach eigenem Lehrplan unterrichtet. Ausgenommen sind Fächer wie Zeichnen, Musik oder Turnen – hier werden die Kinder altersgemäß den Regelklassen zugeteilt.

Studienplatzlimits

Der Minister relativierte im KURIER-Gespräch auch die Aussagen(im KURIER am Mittwoch) des FPÖ-Wissenschaftssprechers über geplante Uni-Zugangsregeln. Laut Faßmann gebe es noch kein finales Modell. Kommende Woche will er im Ministerrat nur die Studienplatzfinanzierung fixieren: "Zugangsregelungen sind nichts Neues, die gibt es bereits bei fast der Hälfte der Studien." Geplant ist, den Unis die Möglichkeit zu geben, Studienplätze für Anfänger zu limitieren, sollte ein Studium überlaufen sein.

Derzeit gebe es mehrere Modelle, wie der Zugang begrenzt wird: In Medizin gebe es am Anfang eine Knockout-Prüfung, nur die Besten bekommen einen der begehrten Studienplätze. Bekannt ist die seit Jahren geltende STEOP, die "Studieneingangs- und Orientierungsphase", die im ersten Semester und etwas milder als bei der Medizin angewandt wird. Oder das Modell der ETH Zürich, wo im ersten Jahr Grundsätzliches zur Studienrichtung gelehrt und am Ende des Jahres geprüft wird, erst dann wird über die Zulassung entschieden. Welches Modell künftig auf Österreichs Studenten zukommen wird, lasse sich derzeit noch nicht sagen.

Die Studienbedingungen in Massenfächern an den Unis (an den Fachhochschulen gibt es längst Studienplatzlimits) stellen schon lange ein großes Problem dar: Sie führen seit Jahrzehnten etwa durch schlechte Betreuungsverhältnisse zu hohen Drop-outs (Studienabbrüchen) und überlangen Studiendauern. Jetzt sollen neue Zugangsregeln die Situation deutlich verbessern. Aber was ist geplant?

Was steht im Regierungspakt?
Die türkis-blauen Verhandlern blieben da vage. Die Regierung will zuerst – das betont auch Bildungsminister Faßmann – eine „echte“ Studienplatzfinanzierung, dafür braucht es aber ein neues „Zugangsregelungsmanagement“, ähnlich des Modells der ETH-Zürich. Festgehalten wurde aber auch, dass in Massenstudien „andere Modelle herangezogen werden können (unter Beachtung einer Auslaufklausel)“. Bei der Studienplatzfinanzierung geht es darum, dass nur mehr so viele Studienplätze angeboten werden sollen, wie es die Situation am betroffenen Institut zulässt – sprich: es muss ein ausreichendes Betreuungsverhältnis von Studenten zu Lehrenden sichergestellt sein.

Worum geht es der Regierung bei der Neuregelung des Uni-Zugangs?
Um mehr Effizienz – seitens der Universitäten, aber auch der Studenten. Die Drop-out-Rate soll sinken, die durchschnittliche Studiendauer ebenso. Dafür soll das Betreuungsverhältnis teils verbessert werden.

Wie soll die Neuregelung konkret aussehen?
Das ist laut Minister Faßmann noch nicht final entschieden. Vorgesehen ist, den Unis die Möglichkeit zu geben, Studienplätze zu limitieren, sollten Fächer überlaufen sein. Limits gehen immer über irgendeine Form der Knock-out-Prüfung – ganz am Anfang des Studiums (wie derzeit beim Medizin-Studium), während des ersten Semesters (STEOP, Studieneingangs- und Orientierungsphase) oder am Ende des ersten Studienjahres, wie das an der ETH Zürich schon länger gemacht wird. Das ETH-Modell hat allerdings den Nachteil, dass man vorerst alle Interessierten zulassen muss, was die Uni viel Geld und die Studenten oft sinnlos Zeit kostet.

Und was hat das mit der Studienplatzfinanzierung zu tun, die kommende Woche beschlossen werden soll?
Die Idee dahinter ist, den Unis bzw. Studienrichtung für eine bestimmte Zahl an Anfängerplätzen ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen. So sollen gute Betreuungsverhältnisse zwischen Professoren und Studenten gewährleistet sein.

Welche Studien sind derzeit schon beschränkt?
Betriebswirtschaft (plus IBWL), Volkswirtschaftslehre, Biologie, Pharmazie, Ernährungswissenschaften, Informatik, Psychologie, Publizistik, Lehramtsstudien und Sportwissenschaft.

Wird es wieder Studiengebühren geben?
„Moderate“ Studiengebühren sind vorgesehen, angeblich in der Höhe von 400 bis 500 Euro pro Semester.