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Politik Inland
03/11/2021

Warum Astra Zeneca weiter verimpft wird

Während Dänemark und Norwegen 14 Tage lang Impfungen mit Astra Zeneca stoppen, vertrauen heimische Experten weiterhin auf das britisch-schwedische Produkt.

von Christian Böhmer

Die ernüchternde Nachricht kam um 10.55 Uhr. Und wie es sich für eine Hiobsbotschaft gehört, wurde sie als „Alarm“-Meldung verschickt: „Dänemark setzt Impfungen mit Astra Zeneca aus“, verlautbarten Nachrichtenagenturen wie die Austria Presse Agentur am Donnerstag.

Laut den dänischen Gesundheitsbehörden sind einige „schwere Fälle“ von Blutgerinnseln bei Personen aufgetreten, die gegen Covid-19 geimpft worden sind.

Kopenhagen betonte zwar, dass es sich bei dem auf vorerst 14 Tage verhängten Impfstopp um eine reine Vorsichtsmaßnahme handle, und sowohl Premier Mette Frederiksen als auch Gesundheitsminister Magnus Heunicke hielten mehrfach fest, dass man den Impfstoff weiterhin nicht grundsätzlich ablehne.

Die politische Debatte konnten sie damit aber nur noch bedingt einbremsen. Binnen Stunden erklärte Norwegen, dass man es den Dänen gleichtun und vorerst mit dem Verimpfen von Astra Zeneca pausieren werde; und Italien nahm zumindest jene Charge des Impfstoffes vom Markt, bei der man einige „gravierende Fälle“ festgestellt hat.

Ist Astra Zeneca sicher? Kann der Impfstoff weiterhin verwendet werden? Und was heißt der Fall Dänemark für die heimische Impfstrategie? Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich den ganzen Tag über Politik und Mitarbeiter von Krisenstäben.

Während Gesundheitsbehörden und das Nationale Impfgremium noch berieten, was zu tun sei, waren andere schnell mit einer „Lösung“ bei der Hand: Die FPÖ forderte von Gesundheitsminister Rudolf Anschober einen vorübergehenden Impfstopp – Dänemark habe es ja vorgemacht. Der burgenländische SPÖ-Chef und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wiederum sah Sebastian Kurz in der Ziehung: „Ich erwarte, dass auch der Bundeskanzler endlich Verantwortung übernimmt und sich zur weiteren Umsetzung der Impfkampagne äußert.“

Kurz und Anschober verzichteten.

Dosen
Von April bis  Juni sollen im Schnitt rund 1,8 Millionen Impfdosen pro Monat nach Österreich kommen. Diese Kalkulation enthält die Impfstoffe von Pfizer/Biontech, Moderna und Astra Zeneca, nicht aber von Johnson & Johnson

Tagesleistung
Im Mittel werden  im März täglich 34.000 und im April  58.000 Menschen geimpft – das entspricht der vierfachen Leistung vom Februar

Astra Zeneca
Der nun in Diskussion stehende Impfstoff ist im März mit 350.000 Dosen eingepreist. Rein rechnerisch entspricht das der Impfleistung von zehn Tagen

Großer Nutzen

Doch es gab eine unmissverständliche Ansage. Und die kam  von den Experten des  Nationalen Impfgremiums, des  Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen  sowie der  Europäischen Arzneimittelagentur (EMA): Sie alle ließen – im Übrigen übereinstimmend mit den Bundesländern und der Bundesregierung –  Donnerstagabend keinen Zweifel daran aufkommen,  dass Astra Zeneca als tadelloser Impfstoff gilt.

Es bestehe keine Notwendigkeit, Schutzimpfungen aufzuschieben oder auszusetzen, im Gegenteil. „Der Nutzen der zugelassenen Corona-Schutzimpfungen ist eindeutig belegt“, heißt es in einer akkordierten Stellungnahme.   Das Weiterführen der Impfaktion rette täglich Menschenleben, Astra Zeneca sei „sicher“ und „höchst wirksam“.

Und die aufgetretenen Thrombosen? Sie  kommen laut den Experten  unter den Geimpften genauso oft  vor wie bei Ungeimpften.  Anders gesagt: Die Impfung hat die Thrombosen wohl nicht ausgelöst. Diese wären – so tragisch das auch ist – vermutlich in jedem Fall passiert.

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