Im Stadtsaal von Schwaz wurden im Akkord Spritzen mit Vakzin aufgezogen

© Bildagentur Muehlanger

Massenimpfung
03/11/2021

Massenimpfung in Schwaz: "Ich will, dass das Theater vorbei ist"

Bis Dienstag soll der Südafrika-Hotspot-Bezirk Schwaz mit der ersten Dosis durchgeimpft sein. Zum Start war der Andrang groß

von Christian Willim

Das Ketchup ist aus der Flasche. Zumindest im Tiroler Bezirk Schwaz. Da tröpfelt der verfügbare Impfstoff aus der von Bundeskanzler Sebastian Kurz als Symbolbild verwendeten Gewürzflasche nicht dahin. Vielmehr ist ein ganzer Schwall verfügbar.

100.000 Dosen Biontech/Pfizer hat die EU für die Impfung von 50.000 Menschen in der „Modellregion Schwaz“ bereitgestellt, um die im Bezirk umgehende Südafrika-Mutation in den Griff zu bekommen.

„Wir ziehen alles raus, was geht“, sagt Julia Astner. Im Stadtsaal von Schwaz sitzt die Krankenschwester am Donnerstag zum Auftakt der Massenimpfung gemeinsam mit drei Kolleginnen und zieht Spritzen im Akkord auf.

Sechs Impfungen, oft aber auch sieben bringen die Frauen aus den kleinen Fläschchen. In Kojen vor ihnen werden die Spritzen an Mann und Frau gebracht.

Ende des Theaters

„Ich bin froh, wenn das Theater vorbei ist. Auf und zu, nirgends darfst du hin“, erklärt Sepp Gruber (73) seine Impfmotivation, während Mediziner Bernd Rainer zur Tat schreitet. In jeder der sieben Kojen werden etwa 20 Impfungen pro Stunde verabreicht. Ein straffer Zeitplan.

„Ab heute werden im Schnitt jeden Tag 10.000 Bürger geimpft“, erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) vor einem Lokalaugenschein merklich froh, auch mal gute Nachrichten verkünden zu können.

48.500 Einwohner des Bezirks Schwaz – 76 Prozent all jener, die in Frage kommen – haben sich angemeldet. Bis Dienstag sollen sie alle die Impfung an einem der 26 Stationen im Bezirk erhalten haben. So soll ein Schutzschirm im Kampf gegen die Mutation gespannt werden.

„Ich will, dass die Welt wieder normal ist“, sagt Marion Plattner nach ihrer Impfung. Darum hat die 19-Jährige auch ihre anfängliche Skepsis beiseitegeschoben. „Ich will kein Überträger sein“, begründet Christian Plattner (36), warum er für den Stich in der Schlange steht.

Als logistische Herausforderung bezeichnete Tirols Corona-Einsatzleiter Elmar Rizzoli die Organisation der Massenimpfung innerhalb weniger Tage. Sie kann auch Erfahrungen liefern, wie eine große Zahl an Menschen geimpft werden kann, wenn dann endlich genug Vakzin in Österreich bereitsteht.

„So viel Impfstoff kann gar nicht kommen, dass wir es nicht abwickeln können“, versicherte Platter auf Nachfrage. Aus dem während des Termins tagenden Landtag kritisierte die Opposition hingegen, dass das Impfen bisher schleppend verlief und ortet Schwächen in der Tiroler Organisation.

„Normale Saison“

Der Landeshauptmann hofft indes, dass die Aktion in Schwaz auch in Hinblick auf den krisengebeutelten Tourismus hilft: „Das Ziel ist schon, dass wir eine halbwegs normale Sommersaison haben.“ Die vom Bund verhängte Ausreistestpflicht für Tirol ist in der Nacht auf Donnerstag ausgelaufen.

„Die Reisewarnung gibt es nicht mehr“, so Platter, der sich nun vom deutschen Nachbarn erwartet, „dass die Grenzschließungen aufgehoben werden.“

Für den Bezirk Schwaz gibt es indes seit Donnerstag neue Beschränkungen. Für zwei Wochen dürfen die Einwohner ihre Region nur mit negativem Coronatest verlassen. Das wurde am Tag eins der Regelung unter anderem bei der Auffahrt Schwaz zur Inntalautobahn kontrolliert.

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