Feierten 30 Jahre Grüne im Parlament: Parteichefin Eva Glawischnig, Festredner Winfried Kretschmann und EU-Parlamentsvize Ulrike Lunacek

© APA/ROLAND SCHLAGER

Jubiläum
10/17/2016

Wann schnackelt’s denn?

Die Grünen zelebrieren 30 Jahre Grüne im Hohen Haus. Festredner Winfried Kretschmann wünschte ihnen eine Regierungsbeteiligung.

von Christian Böhmer

Winfried Kretschmann war schon eine Weile am Reden, als er plötzlich dieses eine, schräge Wort gebrauchte: schnackeln. "30 Jahre hat es bei uns gedauert. Auf einmal hat es geschnackelt (geschnalzt, gekracht) – dann waren wir an der Regierung."

Kretschmann ist Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der erste Grüne Landeschef in Deutschland. Und bei der Feier zum 30-Jahr-Jubiläum der Grünen am Montag im Hohen Haus gab der 68-Jährige den Festredner. Die Ähnlichkeiten zwischen Baden-Württemberg und Österreich sind nicht zu verkennen: Hier wie dort wuchs die Partei erst aus der Anti-AKW-Bewegung. Die Leistung, die seither gelang, liegt laut Kretschmann freilich darüber – vermeintliche Eliten-Themen wurden dank der Grünen zum Mainstream. "Ökologische Politik ist keine Spinnerei, sondern ein Menschheitsthema."

Korruption und Misswirtschaft

Die Ökologie, das ist das eine. Parteichefin Eva Glawischnig wollte freilich auch all die anderen Themen erwähnt wissen, bei denen die Grünen Pionierarbeit geleistet hätten: "Etwa die Gentechnik-freie Landwirtschaft, das Aufdecken von Korruption und Misswirtschaft, und schließlich haben wir auch dazu beigetragen, dass die Frauen in Österreich viel selbstbewusster wurden."

Wie dramatisch die atmosphärischen und politischen Umwälzungen waren, die auch dank der Hartnäckigkeit der Ökos gelangen, das können am besten die Zeitzeugen erzählen.

Peter Pilz war schon 1986 dabei, ist heute als Einziger der damaligen Abgeordneten noch im Grünen Klub und erzählt von den bisweilen hämischen Blicken und Kommentaren der etablierten Parlamentarier.

Warum hämisch?

"Allein die Tatsache, dass wir ohne Anzug und Krawatte ins Parlament kamen, war vielen unerträglich. In den anderen Klubs ging man selbstverständlich davon aus, dass wir ein vorübergehendes Übel sind und nach der Legislaturperiode in der Versenkung verschwinden."

Stattdessen habe man die "bleierne Stimmung" gehoben, aus einem bloßen "Abstimmungsparlament" ein "Arbeitsparlament" gemacht – und andere Abgeordnete "mit einem neuen Denken angesteckt".

Über allfällige Regierungsbeteiligungen im Bund ließ sich Glawischnig nicht aus. Musste sie aber auch nicht, das übernahm bereitwillig Parteifreund Kretschmann, indem er der Schwesterpartei wünschte, es möge bei ihr "bald schnackeln".

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.