Politik | Inland 26.02.2015

Pilgermair: "Ich trage keine Fraktionsbrille"

Der Tiroler Walter Pilgermair wird eine zentrale Rolle spielen. © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

So tickt der Verfahrensrichter: Der Jurist im Porträt.

Walter Pilgermair (67) ist noch ein Neuling im Parlament. Doch schon nach der ersten Sitzung setzt die Opposition große Hoffnungen in den neuen Verfahrensrichter im Hypo-U-Ausschuss. "Einen Besseren hätten wir nicht bekommen können", schwärmt der grüne Fraktionsführer Werner Kogler in der Säulenhalle. Auch Robert Lugar vom Team Stronach meint: "Mit Pilgermair werden wir noch viel Freude haben."

Klar streut die Opposition Pilgermair Rosen. Mit seiner Bestellung zum Verfahrensrichter spielt der Ex-Präsident des Oberlandesgerichts Innsbruck eine zentrale Rolle im U-Ausschuss. Jede Auskunftsperson darf der Richter 15 Minuten (Dauer der reinen Fragezeit) fragen. Dann erst sind die sechs Fraktionsführer an der Reihe. Handlanger der Regierungsparteien will er auf keinen Fall sein. "Ich trage absolut keine Fraktionsbrille. Der Verfahrensrichter kann unabhängig fragen. Ich werde den Sachverhalt objektiv und in all seinen Facetten darlegen. Aber die Dominanz sehe ich trotzdem bei den Fragen der Parlamentarier. Denn es ist kein Strafverfahren, dass muss ganz klar unterstreichen werden."

"Es hat mich gejuckt"

Was motivierte den Ex-Richter, sich für einen der heißesten Jobs des Landes zu bewerben? Gerade einmal 12 Monate hielt es der Tiroler in der Pension aus. Nun will er mit seinem juristischen Know-how mithelfen, den Hypo-Krimi aufzuklären. "Ich war jetzt ein Jahr auf Reisen, habe viel Sport gemacht und fühle mich gut. Die Rolle des Verfahrensrichter ist eine wichtige, eine interessante und vor allem spannende Aufgabe. Da dabei zu sein, hat mich gejuckt."

Um die komplexe Aufgabe zu stemmen, die im Minimum ein Jahr lang dauert, wird der Tiroler von Innsbruck nach Wien übersiedeln. Ende 2016 könnte der Hypo-Endbericht fertig sein. "Verglichen mit meinem Lebensalter sind ein bis zwei Jahre keine lange Lebensspanne. Ich möchte eine kleine Garçonnière in der Nähe des Parlaments mieten, damit ich mich voll auf das Aktenstudium konzentrieren kann", so Pilgermair.

Das Einzige, das der Vater von zwei erwachsenen Söhnen vermissen wird, sind seine Enkeltochter und die Bike-Touren auf den Tiroler Bergen. "Ich glaube, das kann ich diesen Sommer streichen", lacht Pilgermair.

Welches Ziel hat sich Pilgermair für seinen neuen Job gesetzt?"Mein Ehrgeiz ist, so objektiv zu sein, wie ich ein richterliches Urteil auch fällen würde. Dann muss ich mein Urteil nachvollziehbar erklären. Ich möchte, dass der Bürger am Ende sagt, das leuchtet mir ein und es scheint nicht nur durch eine Brille gesehen zu sein." Diese Einstellung erinnert frappant an jene von Irmgard Griss.

Erstellt am 26.02.2015