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25.10.2017

Wer im Kabinett Kurz-Strache die besten Chancen hat

Sebastian Kurz will noch vor Weihnachten die neue Regierung präsentieren. Wer derzeit bei Türkis und Blau als Minister hoch im Kurs steht.

Die Ministerposten will die FPÖ erst am Ende der Koalitionsverhandlungen ausdealen. Zuerst kommen die Inhalte. Eine Forderung bleibt allerdings aufrecht: Der nächste Innenminister soll Heinz-Christian Strache heißen. Eines ist für den FPÖ-Chef aber auch klar, dass aus seiner Sicht keinerlei Bedenken bestehen, einen Blauen nicht als Minister anzugeloben. "Jeder von uns ist ministrabel" , so Strache gestern. Das ist eine deutliche Botschaft in Richtung Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der einen blauen Innenminister verhindern will.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat angekündigt, dass ÖVP und FPÖ gleich viele Ministerien – das würde jeweils bis zu sieben bedeuten (falls bei 14 bleibt) – besetzen werden. Am Wunschzettel der FPÖ stehen neben dem Innen- auch das Außen- und das Finanzministerium. Aus der ÖVP wiederum hört man folgendes Modell: Bekommt die FPÖ das Innenministerium, dann werden die restlichen Ministerposten keine große Relevanz haben. Hier gilt es also noch, eine große Hürde zu nehmen.

Wer kommt infrage für einen Ministerposten?

Als FPÖ-Sozialminister wirdStraches Vertrauter Herbert Kickl genannt. Er ist der Mastermind der Wahlslogans "Daham statt Islam". Dementsprechen klein wird die Freude von Van der Bellen sein, den FPÖ-Generalsekretär anzugeloben. Als Alternative bleibt weiterhin, dass Kickl den Klubobmann-Posten übernimmt. FPÖ-Intern gut angeschrieben ist Hubert Fuchs. Der Steuerberater und Doppeldoktor gilt als möglicher Finanz-Staatssekretär oder Kandidat für das Wirtschaftsressort.

Oberösterreich wichtig

Detto ein Kandidat für Wirtschaft, Infrastruktur oder Digitalisierung ist Arnold Schiefer. Der frühere Mitarbeiter von Ex-Parteichef Mathias Reichhold hat Manager-Erfahrung (ÖBB, Asfinag). Auch Walter Rosenkranz als Mann mit Ministerchancen. Auf persönlichen Wunsch von Strache wird Rosenkranz nicht Spitzenkandidat für die NÖ-Landtagswahlen. Rosenkranz käme als Justizminister infrage.

Gemäß dem Wahlergebnis stünde Kärnten, wo die FPÖ wieder Platz eins eroberte, ein Ministerposten zu. Das ist aber offen. Ganz anders schaut das mit Oberösterreich aus. Strache kann und will es sich nicht leisten, die einflussreichste Landesgruppe zu übergehen, und ein blaues Ministerteam ohne einen Oberösterreicher zu nominieren. Allerdings Landes-Vize Manfred Haimbuchner will partout nicht nach Wien.

Was passiert mit Ex-Hofburg-Kandidat Norbert Hofer? Er spitzt auf das Außenministerium. Kann die FPÖ das Außenministerium nicht für sich beanspruchen, dann würde Hofer auch Infrastruktur gefallen – oder er bleibt dritter Nationalratspräsident.

Spannend wird, welche Frauen die FPÖ mit Minister-Würden ausstattet. Petra Steger, die Tochter des früheren Parteichefs Norbert Steger ist prädestiniert um sich um Sport- oder Frauen-Angelegenheiten zu kümmern. Als politisch routiniert gilt Dagmar Belakowitsch. Die Medizinerin ist Gesundheitssprecherin – und damit eine potenzielle FPÖ-Gesundheitsministerin .

Kandidaten in Türkis

ÖVP-Chef Kurz gibt sich sehr bedeckt, wen er in seinem Team haben will. Fixstarter als Finanz- und Reformminister scheint Ex-Rechnungshofpräsident Josef Moser zu sein. ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger gilt als die aussichtsreichste Kandidatin für das Außen- oder für das Landwirtschaftsministerium. Um seinen Bekanntheitsgrad für die Wien-Wahlen zu steigern, will Gernot Blümel unbedingt Minister werden. Der ÖVP-Wien-Chef ist als Kultur- und Medienminister im Gespräch oder auch als Regierungskoordinator. Verliert Wolfgang Sobotka das Innenministerium, dann taucht er möglicherweise als Verteidigungsminister oder als Bildungsminister wieder auf. Wenn Kurz die Integrationsagenden mit ins Bundeskanzleramt nimmt, könnte Efgani Dönmez dort Staatssekretär werden.

Vielleicht findet auch Bettina Glatz-Kremser mehr Gefallen an der Politik. Die Casinos-Vorständin verhandelt nun Türkis-Blau.