Politik | Inland
23.06.2014

"Im gleichen Trott wie bisher werden wir keine Chance haben"

Christian Benger (52) ist der neue Mann an der Spitze der ÖVP-Kärnten. Am 28. Juni wird er am Parteitag in Feldkirchen gekürt.

KURIER: Herr Benger, warum tauschen Sie einen tollen Job in der Privatwirtschaft gegen einen unsicheren in der Politik?

Christian Benger: Ich bin ein politischer Mensch und von der Kärntner Volkspartei überzeugt. Ich lebe die Werte der ÖVP und es ist mir ein echtes Herzensanliegen, dass die sie in Kärnten an Stimmen und Gewicht zulegt. Deshalb lautet mein Plan: 2018 Plus!

Als Quereinsteiger ÖVP-Landesobmann – ein Himmelfahrtskommando angesichts des Partei-Zustandes?

Auf keinen Fall! Ich bin überzeugt davon, mit der Kärntner Volkspartei wieder Erfolg zu haben. Gabriel Obernosterer hat die Partei nach einem Super-GAU stabilisiert, das zeigen die Ergebnisse von drei Wahlen. Darauf baue ich auf. Aber ich bin auch selbstkritisch: Wir haben Baustellen, die müssen wir angehen, wenn wir Erfolg haben wollen. Im gleichen Trott wie bisher werden wir keine Chance haben.

Wie sieht der neue Kurs aus?

Transparent, offen, ehrlich und vor allem glaubwürdig. Glaubwürdigkeit erreicht man bei den Menschen nur, wenn man tut, was man sagt, und darüber redet, was man tut, in einem ständigen Dialog. Wir müssen mit der Volkspartei in die Breite, alle Bürger in allen Schichten ansprechen.

Die ÖVP-Kärnten ist 2013 mit 14,40 Prozent auf einem historischen Tiefstand angelangt. Womit soll eine Radikalkur begonnen werden, um 2018 eine erfolgreiche Wahl schlagen zu können?

Radikalität ist kein Weg. Die Überzeugung für einen neuen Weg muss durchdringen. Als Erstes öffne ich unser wichtigstes Leitungsgremium, den Landesparteivorstand, für unsere Kämpfer an der Front, für unsere Funktionäre. Sie werden in die wichtigen Entscheidungen eingebunden. Das ist gelebte Basis-Demokratie, von der andere Parteien nur reden.

Sie bekennen sich zur Dreierkoalition mit SPÖ und Grünen. Um jeden Preis – Stichwort Hotelprojekt am Mölltaler Gletscher?

Dazu habe ich mich klar geäußert: Die Koalition ist aufgrund ihrer Breite derzeit die beste Möglichkeit, um das Land zu reformieren, zu sanieren und wieder voranzubringen. Das ist für die ÖVP überhaupt die Daseinsberechtigung dieser Koalition. Aber ich sage auch klar: nicht um jeden Preis! Dass es unterschiedliche Meinungen gibt, ist normal, und eine kritische Auseinandersetzung bringt uns auch weiter. Deshalb gerät die Koalition nicht jedes Mal ins Wanken. Beim Mölltaler Gletscher ist für mich klar: Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz – Mensch, Arbeit und Natur müssen im Einklang stehen. Für Kärnten, einem Naturparadies in Summe, müssen Arbeitsplätze und Investitionen jetzt in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage höchste Priorität haben.

Wie sehr belastet die Hypo das Verhältnis zwischen Landes- und Bundespartei?

Das kann ich ganz offen beantworten: Die Hypo belastet unser Verhältnis nicht, denn sie ist für uns eine Erb-Schuld. Vizekanzler Michael Spindelegger hat das Hypo-Debakel nicht verursacht, er muss es lösen. Ich sehe mich meinem Land verpflichtet und stehe schützend davor. Nur den Zukunftsfonds herzunehmen, ist zu wenig Fantasie. Aber es wird ohnehin verhandelt.