Werner Faymann

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Politik | Inland
04/30/2014

Lernpflicht für Lehrer in den Ferien?

"Radikaler" Vorschlag von Experte Salcher. Kanzler Faymann reagiert positiv.

Nur sechs Prozent der 126.000 Lehrer nützen die Sommerferien zur Fortbildung. Weil aber viele Lehrer während der Schulzeit Kurse und Seminare besuchen, müsse dann der Unterricht mit teuren Supplierstunden ersetzt werden. Hier könnte man einige Millionen für das Bildungsbudget einsparen, indem solche Kurse nur mehr in den Ferien absolviert werden sollen, fand Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl. Der Kanzler nannte die Idee "wertvoll", und erntete massive Kritik der Lehrergewerkschaft.

Bildungsexperten wie Andreas Salcher wollen dennoch bei diesem Thema nicht lockerlassen. Im Gespräch mit dem KURIER wagt Salcher einen neuen "radikalen" Vorstoß: "Nützen wir doch die letzte Woche der Sommerferien für die Lehrer zur Schulentwicklung und zur Fortbildung." Also in Ostösterreich die letzte Augustwoche, im Westen meist die erste Septemberwoche.

"Eine moderne Mitarbeiterausbildung passiert ohnehin längst im Unternehmen selbst", erklärt der Experte seinen Ansatz, "es geht nicht nur um Ausbildung, sondern auch um Klausuren, wie sich die Schule positionieren will, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen, um Mitarbeitergespräche für gegenseitiges Feedback, aber eben auch um eine fachliche Fortbildung der Lehrer mit Referenten , die an die Schule eingeladen werden." Derzeit gebe es nur eine Fortbildungspflicht für Pflichtschullehrer von 20 Stunden pro Jahr. Bundeslehrer (AHS, BMHS) müssen sich gar nicht zur Fortbildung verpflichten.

"In Großbritannien muss sich jetzt schon jeder Lehrer eine Woche pro Jahr fortbilden, das ist dort Teil der Arbeitszeit. In Singapur sind es sogar 100 Stunden pro Jahr", erklärt Salcher. "Und wir wollten uns doch an den Besten orientieren."

Bundeskanzler Werner Faymann sieht den Vorschlag von Salcher auf Nachfrage des KURIER positiv: "Reformen brauchen viele Schritte. Wichtig ist, dass sie konkret sind und dann auch angegangen werden. Dieser Vorschlag ist konkret und erscheint auch sehr praktikabel." Im Übrigen zeigt sich der Kanzler überzeugt davon, dass die meisten Lehrer kein Problem damit hätten, ihre Fortbildung auch in der letzten Ferienwoche zu absolvieren.