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Kommentar
10/09/2019

Von der Erlangung des Mittelmaßes

Österreichs Regionen haben sich durch eine konstante Entwicklung des Stillstands zum Mittelmaß verbessert.

von Wolfgang Unterhuber

Das Maß aller Dinge in Österreich ist das Mittelmaß. Das zeigt auch das aktuelle Wettbewerbsranking über die EU-Regionen. Österreichs Regionen haben sich dabei weniger durch Eigenleistung, sondern durch eine konstante Entwicklung des Stillstands Richtung Mitte verbessert.

Diese Rechnung ging auf, weil andere vergleichbare Regionen in der EU abgebaut haben. Sollte Österreich jemals vorhaben, an die Spitze gelangen zu wollen, wäre ein Blick auf Top-Standorte wie Stockholm oder Utrecht lehrreich. Auffallend sind primär folgende Erkenntnisse: In den Topregionen arbeiten Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Hierzulande sieht die (vom Steuerzahler finanzierte) Wissenschaft ihre Unabhängigkeit in Gefahr, wenn sie mit der Ökonomie kooperiert. In Wahrheit freilich will die Politik im Wissenschaftsbetrieb nicht an Einfluss verlieren.

Zweitens: Top-Regionen kooperieren, Hauptstädte sehen sich als Brennpunkt, nicht als Mittelpunkt. Praktisch umgelegt auf Österreich wäre das so, als würde eine U-Bahn nicht an der Wiener Stadtgrenze, sondern in St. Pölten enden oder die Region Wien/Niederösterreich würde mit der Region Bratislava ein innovatives Verkehrskonzept entwickeln.

Drittens: Spitzenregionen stehen für etwas. In Österreich galt z.B. Wien lange als Drehscheibe für Osteuropa. Aber das ist ein alter Hut.

Viertens: Topregionen sind weltoffen und zeigen Erfindergeist. Hierzulande wollen die einen die Grenzen dichtmachen und die anderen die Wirtschaft zu Tode regulieren, weil sie ja an allem (derzeit Klimawandel) Schuld hat. In dem Punkt wäre die Erreichung des Mittelmaßes sogar schon ein gewaltiger Fortschritt.