Politik | Inland
19.12.2017

Strache: Vom Wadlbeißer zum Faserschmeichler

Heinz-Christian Strache und sein Wandel vom scharfen Kritiker zum großen Fan von Sebastian Kurz.

"Kurz geht politisch über Leichen – sogar innenparteilich. Das ist ein Alarmsignal für seine menschlichen Qualitäten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Österreicherinnen und Österreicher solch eine skrupellose und unehrliche Person wollen."

In diesem Zitat aus dem Mai – nach dem nicht ganz freiwilligen Abgang von VP-Chef Reinhold Mitterlehner – spricht noch der ewige Oppositionspolitiker Heinz-Christian Strache zu seinen Fans. Strache spuckt wie immer Gift und Galle. Sieben Monate später streicht Strache exakt jene "menschlichen Qualitäten" hervor, die er bei der "wirklichen Persönlichkeit" Sebastian Kurz kennen und schätzen gelernt hat. Trotz aller harten, inhaltlichen Verhandlungen. Man ist sich menschlich näher, ja sehr nahe gekommen.

Strache auf Honeymoon? Brüderliche Liebesbekundungen zwischen Heinz-Christian und Sebastian, wie eine italienische Zeitung ausmachen will? Die Angesprochenen bestreiten das und sprechen lieber von einer "anständigen Partnerschaft".

Und wirken dennoch wie die neuen Chef-Synchronschwimmer der Innenpolitik. Unter Journalisten und Maschek-Fans fast ein wenig kultig ist der Auftritt von Kurz und Strache am Samstag auf dem Kahlenberg: Sie kommen im Gleichschritt, greifen gleichzeitig zum Glas, lachen zeitgleich. Der auffälligste Unterschied zu früher: Strache ist entspannt wie nie zuvor. Er spricht freier als Kurz. Er streut Scherzversuche ein – etwa über Hofers Bart. Strache braucht nur noch wenige Stichworte bei Ansprachen oder Interviews. Kurzum: Der Chef-Blaue ist angekommen.

Er wollte Bürgermeister von Wien werden, danach wenigstens Bundeskanzler, aber auch der Vizekanzler auf der Visitenkarte schaut ihn nicht schlecht an: Strache steht im Zenit seines politischen Glücks. Begonnen hat seine neue Phase freilich mit dem privaten Glück und seiner Philippa. Sie nennt ihn "mein kleines Monster", ihm werden die Anzüge langsam zu klein – das ruhigere Eheleben formt.

"Totalversagen"

Nur der Wandel vom scharfzüngigen Regierungs- und Kurz-Kritiker zum größten Fan des neuen Regierungschefs ging noch schneller.

Im Wahlkampf ähnelten sich die Programme derart, dass Strache Kurz "Kopiermaschine" schimpfte. Sein Kernvorwurf an Kurz war das "Totalversagen" als Integrationsminister. Kurze Zeit später präsentierten die beiden einen Pakt, bei dem klar ist, dass sie sich beim Kampf gegen die illegale Migration oder den erneuten Verschärfungen im Asylbereich rascher einig waren als irgendwo sonst. Zwischen den 31-jährigen Regierungschef und seinen 48-jährigen Vize, der den väterlichen Freund gibt, passt kein Blatt Papier.

Fast verdrängt sind blaue Slogans wie "Daham statt Islam", oft vergessen Straches Kontakte zu Rechtsextremisten, fast, aber nur fast, verziehen seine Tiraden gegen Andersdenkende. Sein Weg zur Salonfähigkeit war ein sehr weiter.

Nach einem Ministerratsbeschluss aus 2012 hätte Strache wegen seiner langjährigen Parlaments-Zugehörigkeit den vierthöchsten Orden der Republik bekommen sollen. Der damalige Bundespräsident Heinz Fischer verweigerte die Unterschrift wegen Straches Sager "Wir sind die neuen Juden" nach den Protesten gegen den Akademiker-Ball.

Heuer im Juli erhielt Strache das "Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik".

Die muss HC erst liefern.