Vom Programmieren bis zur Online-Ethik: Experte legt Lehrplan vor

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Foto: KURIER/Stephan Boroviczeny Zielgruppe für den Lehrplan sind 14- bis 19-Jährige.

Bildungsministerin plant verpflichtende Übung zu "digitaler Medienbildung" in Schulen.

Fakenews, Hetze im Netz, Cybermobbing: Für das, was täglich über soziale Medien auf Jugendliche einprasselt, braucht es das richtige Handwerkszeug, ist SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid überzeugt. Ende Jänner will sie ein Gesamtkonzept für Digitalisierung vorstellen.

Ein Teil davon ist die Einführung einer verpflichtenden Übung unter dem Titel "digitale Medienbildung". An einem Entwurf des Lehrplans hat der Medienpädagoge Christian Swertz von der Uni Wien mitgearbeitet, der die Notwendigkeit von Bildung in diesem Bereich bereits im Dezember gegenüber kurier.at betont hat. Am Montag hat er sein Konzept beim Bildungsministerium abgeliefert.

Die Pflichtübung soll an Neuen Mittelschulen, Berufsschulen und in der AHS – also für 14- bis 19-Jährige – im Umfang von 30 Stunden stattfinden. Wie und wann, will die Bildungsministerin den Schulen selbst überlassen.

Selbst entscheiden (können)

Ziel sei Mündigkeit – also die Fähigkeit, Nachrichten einzuordnen und sich möglichst friktionsfrei im Netz zu bewegen, erklärt Medienpädagoge Swertz: "Das Internet gibt es ja schon eine Weile. Aber nie zuvor waren wir mit so vielen, teils widersprüchlichen Wahrheiten konfrontiert wie heute."

Ein Beispiel: Vor zehn Jahren ist man zum Arzt gegangen und vertraute auf seine Fachmeinung. Heute spucken Internetsuchmaschinen für jedes Symptom verschiedene Krankheiten und Therapien aus. "Die Entscheidung, was für einen selbst das Richtige ist, bleibt noch immer dem Bürger überlassen", betont Swertz.

Reflektierter Umgang

Aufgebaut sei der Lehrplan auf vier Punkten: Zunächst sollen den Schülern die Grundlagen des Programmierens nahegebracht werden. Um zu beurteilen, welche Nachrichten professionellen Ursprungs sind und welche nicht, müsse man die Technik dahinter verstehen, erklärt der Medienpädagoge.

Im nächsten Schritt sollen Schüler zum selbstständigen Nachdenken angeregt werden, einen reflektierten Umgang lernen.

Ebenso, und das ist der dritte Punkt, soll das eigene Auftreten in sozialen Netzwerken hinterfragt werden. "Im Internet stellen sich Jugendliche oft anders dar als in der Realität – dass das zum Problem werden könne, ist vielen nicht bewusst", sagt Swertz.

Punkt vier betrifft Online-Ethik. Dazu gehöre etwa, wie man in sozialen Netzwerken mit Konflikten umgeht.

"Wir spannen einen großen Bogen, der ein Fundament legen soll. Natürlich wäre noch mehr Bildung in diesem Bereich wünschenswert", sagt der Experte.

(kurier) Erstellt am
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