© Kurier / Juerg Christandl

Politik Inland
09/13/2019

Vollzeitarbeit mit 30 Wochenstunden für Familien mit Kind?

Beim KURIER-Tag debattieren fünf Politikerinnen über Pensionsangleichung, 30-Stunden Wochen und steuerfreies Einkommen

Selten gibt es in Wahlkampfzeiten so viel Einigkeit und zustimmendes Nicken zwischen Vertretern der einzelnen Parteien. So geschehen bei der Frauenrunde auf der Bühne des  KURIER-Tages.  Nach der Show sieht das allerdings anders aus. Julia Herr (SPÖ) warnt,  dass schon in der vergangenen Regierungsperiode Maßnahmen gesetzt wurden, die das Leben von Frauen weiter  erschwert haben. Sie fürchtet, dass bei einer Neuauflage von Türkis-Blau die Einigkeit im Parlament fehlen würde, die in der Frauenrunde demonstriert wurde.
 

Und worum ging es dabei?

Um Gleichbehandlung von Frauen und die Maßnahmen, die die Politik dafür setzen muss. Dafür sind Frauenpolitik und Diskussionsrunden immer noch nötig. Diesen Zustand bedauert auch Claudia Gamon (Neos). Mitdiskutiert haben auch Karoline Edtstadler (ÖVP), Sigried Maurer (Grüne) und Philippa Strache (FPÖ). Der amikale Ton in der Runde überrascht und erfreut auch das Publikum: „Weiter so mit der Einigkeit“, lobt eine Zuseherin.Trotzdem: der Wahlkampf bleibt nicht ganz draußen. Edtstadler wirbt für das Gewaltschutzpaket von ÖVP und FPÖ. Und für die Pensionsangleichung für den Elternteil, der die Kinder betreut. Auch dafür gibt es aber keine Widerworte.

Herr betont die SP-Forderung von 1.700 Euro steuerfrei, um Wenigverdiener, häufig Frauen und Alleinerzieher, zu entlasten. Maurer fordert gar 1.750 Euro steuerfrei. Die Grüne sieht das gesellschaftliche Problem in den Vorturteilen verankert, von denen beide Geschlechter betroffen sind.

Claudia Gamon spricht das "Problem mit dem Kinderkriegen an." Sie möchte, dass die Kindererziehung "50/50" zwischen den Eltern aufgeteilt wird.

Schließlich ist Strache an der Reihe: Sie möchte eine Reduzierung der Vollzeitarbeit für Frauen mit Kindern auf 30 Stunden, um keine Pensionseinbußen durch die „Teilzeitfalle“ zu erleiden.

 

 

Überraschtes Zustimmen

Maurer und  Gamon stimmen überrascht, beinahe enthusiastisch zu. Es wirkt, als könnten sie es selbst kaum glauben, dass sie der FP-Frau beipflichten. Maurer nimmt gar Straches Forderung auf und erweitert sie: „Männer und Frauen sollten weniger arbeiten, um mehr Zeit für die Familie zu haben.“ Flächendeckendes Nicken auf der Bühne, Klatschen im Publikum. Gibt es eine Forderung, die in dieser Runde nicht alle unterstützen? Anscheinend nicht.


SPÖ-Kandidatin Herr gerät in die Bredouille, als eine  Zuseherin die ausgebliebene Reaktion der SPÖ-Chefin zu sexistischen Aussagen aus deren eigenen Reihen beklagt. Jüngst sorgte ÖGB-Chef Katzian  für Kritik, der die ÖVP-Großspenderin Heidi Horten als „Aufg’spritzte“ bezeichnete. Für den KURIER war Herr diesbezüglich im Vorfeld nicht erreichbar. Auf der Bühne kommt sie einer Antwort aber nicht aus. Sie fordert eine „gewählte weibliche Bundeskanzlerin“ als Antwort auf das Sexismus-Problem.