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Politik Inland
03/10/2020

Verbeugung, Desinfektion, kein Handshake: die Regierung und die Krisenrituale

Das Kanzleramt im Krisenmodus: Wie Corona den Alltag am Ballhausplatz verändert.

von Ida Metzger

Ein Goldstuhl neben dem anderen war im Steinsaal des Kanzleramtes aufgereiht. Nicht ein Zentimeter Abstand existierte zum Sitznachbarn. Zuletzt war der Steinsaal nach Auffliegen des Ibiza-Videos so knallvoll gefüllt. Damals verkündete Bundeskanzler Sebastian Kurz: "Genug, ist genug"- und kündigte die Koalition auf. Im Mai 2019 überkam keinen Journalisten ein Unbehagen, weil man zu sehr auf Tuchfühlung mit seinem Sitznachbarn gehen musste.

Ganz anders fühlte sich die Atmosphäre an diesem Dienstag an. Auch die Botschaft von Kurz war angesichts der Ausbreitung des Corona-Virus eine andere: "Je weniger soziale Kontakte es gibt, desto besser". Als Maßnahme gegen die Verbreitung des Virus kündigte der Kanzler an, dass Indoor-Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen abgesagt werden. Kaum waren die Worte ausgesprochen, schweiften die Blicke von einigen Kollegen durch die Runde, ein Tuscheln ging durch die Reihen: Sind im Steinsaal momentan nicht mehr als 100 Menschen auf engstem Raum gedrängt? Neben den TV-Kameramännern und Journalisten waren auch viele der Kabinettsmitarbeiter von Kurz, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Innenminister Karl Nehammer dabei, als das Krisen-Trio die Einschränkungen im Alltagsleben verkündete. Da kommt man schnell auf 100 Personen. Ist die Pressekonferenz ergo eine Veranstaltung, die nach der neuen Verordnung gar nicht stattfinden dürfte? Die Corona-Krise hat auch das Bundeskanzleramt erreicht.

„Wir brauchen Zusammenhalt, aber wir brauchen auch etwas Distanz“, sagte Rudolf Anschober. Und demonstrierte sogleich, wie es funktioniert. Der obligate Handshake zur Begrüßung ist beim grünen Gesundheitsminister tabu. Anschober legt zur Begrüßung die Hand aufs Herz und verbeugt sich vor seinem Gegenüber. „Eindeutig die eleganteste Form der Begrüßung“, meinen einige im Kanzleramt. Andere Kabinettsmitarbeiter wiederum stupsen lieber ihre Ellbogen aneinander - praktizieren den sogenannten coolen „Elbow Bump“. Corona verändert auch das Leben im Kanzleramt. Fehlen nur noch die nötigen Desinfektionsmittel am Ballhausplatz. Im Innenministerium ist man dem Kanzleramt schon einen Schritt in der Prävention voraus – Desinfektionsmittel stehen im Palais überall bereit.

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