Politik | Inland 01.09.2016

Van der Bellens Arzt: "Kandidaten für hohe Ämter sollten sich untersuchen lassen"

Krebsspezialist Christoph Zielinski hat Alexander Van der Bellen im Wiener AKH untersucht. © Bild: /CCC/S. Gruber

Krebsarzt Christoph Zielinski plädiert für mehr Offenheit.

KURIER: Herr Professor Zielinski, Alexander Van der Bellen hat Sie von der ärztlichen Schweigepflicht befreit, damit Sie über seine Befunde sprechen können. Halten Sie es prinzipiell für eine gute Idee, dass Politiker ihren Gesundheitsstatus öffentlich machen?

Christoph Zielinski: Es ist ein wichtiges Zeichen, das von den USA ausgeht, dass Menschen, die ein hohes Amt anstreben, sich auf ihre körperliche Verfassung überprüfen lassen. Ich wusste gar nicht, dass Gerüchte in Umlauf gesetzt wurden, dass Herr Van der Bellen Krebs haben soll. Ich habe jetzt erst erfahren, dass man ihn damit desavouieren wollte. Das ist in Wirklichkeit eine Frechheit gegenüber allen, die diese Diagnose haben.

Sollen Politiker bekannt geben, wenn sie zum Beispiel an Krebs erkrankt sind?

Es darf nicht sein, dass jemand, der Krebs hat, auch noch stigmatisiert wird. Wir haben ja sehr gegen dieses Tabu einer Krebserkrankung gekämpft. Aber um dem entgegenzutreten, wäre es im Sinne einer politischen Hygiene vernünftig, wenn sich Kandidaten für sehr hohe politische Ämter untersuchen lassen.

Kann man grundsätzlich auch mit einer Krebs-Diagnose seine politische Tätigkeit fortführen?

50 Prozent der Personen, die wir an der Klinik betreuen, sind durchaus arbeitsfähig. Ein gutes Beispiel ist die verstorbene Nationalratspräsidentin Prammer, die fast bis zu ihrem Tod ihr Amt sehr ordentlich ausgeübt hat. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man auch mit einer Behinderung in einem so wichtigen Amt sehr aktiv sein kann. Krankheiten dürfen nicht diskriminierend sein.

Was sagen Sie zu dem Einwand, der Gesundheitszustand eines Politikers sei Privatsache: Wenn ein Spitzenpolitiker z. B. Bluthochdruck hat, gehe das nur dessen Arzt etwas an?

Natürlich könnten Ärzte nur den Gesamtzustand von Kandidaten darstellen. Öffentlich machen sollte man nur Krankheiten, die einen bei der Ausübung des Amtes beeinträchtigen könnten. Wenn jemand z. B. Bluthochdruck hätte, dann ist das kein Thema. Denn der ist gut behandelbar. Wenn jemand medikamentös gut eingestellt ist, dann macht der praktisch nichts.

Sollte sich auch der FPÖ-Hofburg-Kandidat Norbert Hofer im AKH untersuchen lassen?

Das AKH ist für alle da, natürlich könnte sich Hofer jederzeit hier untersuchen lassen, wenn er das will.

( kurier.at ) Erstellt am 01.09.2016