Van der Bellen: "Strache redet über Bürgerkrieg - und Hofer lässt das zu."

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Alexander Van der Bellen
10/27/2016

Van der Bellen: "Erwarte mir, dass sich Hofer eindeutig distanziert"

Der grüne Präsidentschaftskandidat kritisiert, dass sein Kontrahent die Provokationen von Strache & Co duldet.

von Maria Kern

Alexander Van der Bellen möchte "nicht in die Empörungsfalle tappen, die die Freiheitlichen seit Jahrzehnten aufstellen". Der Hofburg-Kandidat will zu den jüngsten Aufregern aus den blauen Reihen aber auch nicht schweigen. Van der Bellen sieht seinen Kontrahenten aus dem FPÖ-Lager, Norbert Hofer, in der Pflicht, wie er im KURIER-Gespräch sagt: "Ich erwarte mir, dass sich Herr Hofer eindeutig distanziert bzw. als Mitglied der Führungscrew der FPÖ dafür sorgt, dass ein derartiges Gerede erst gar nicht entsteht." Schließlich sei er ja nicht nur Präsidentschaftsanwärter, sondern auch stellvertretender Parteivorsitzender.

Ein Wegbereiter des Nationalsozialismus

Distanzieren solle sich der Freiheitliche vom Bürgerkriegssager von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache – sowie davon, dass der blaue Parteiobmann die Ständestaatshymne von Ottokar Kernstock auf seiner Facebook-Seite gepostet hat. "Was bewegt Norbert Hofer dazu, dagegen nicht zu protestieren?", will Van der Bellen wissen. Kernstock sei zwar nicht an den Gräueltagen der Nazis beteiligt gewesen, "weil er 1928 gestorben ist, aber er war ein Ultranationalist und Deutschnationaler. Er hat das sogenannte Hakenkreuzlied gedichtet, das später von den Nazis übernommen wurde. Man kann Kernstock als einen Wegbereiter des Nationalsozialismus bezeichnen."

"Schadet dem Ansehen Österreichs"

Van der Bellen versteht auch nicht, dass Hofer "das Bürgerkriegsgerede duldet". Strache thematisiere folgendes Szenario: "Einem Bürgerkrieg geht die Bewaffnung größerer Gruppen außerhalb von Polizei und Militär voraus. Im nächsten Schritt würde das Gewaltmonopol des Staates zerfallen, auch die demokratisch-politischen Strukturen würden zerfallen. Zuletzt bringt man sich gegenseitig um, so wie in Syrien. Davon redet Strache – und Hofer lässt das zu", analysiert Van der Bellen – und wirft seinem Gegner vor, "nicht darüber nachzudenken, ob das Österreich nützt oder schadet". Für den Wirtschaftsprofessor ist klar, dass die Aussagen "dem Ansehen des Landes und dem Wirtschaftsstandort schaden. Oder würden Sie gerne in einem Land Urlaub machen, wo Politiker offen von einem Bürgerkrieg reden?" Unternehmen würden sich wohl auch überlegen, ob sie in Österreich investieren – oder nicht, meint der Ökonom. "Das ist dem FPÖ-Präsidentschaftskandidaten aber egal, so lange wir alle uns empört darüber erregen."

"Käsemarkt, ein religiöses Ereignis?"

Aufregung gab es auch über den "So wahr mir Gott helfe"-Zusatz auf Hofers Plakaten. Van der Bellen qualifizierte diesen als "unpassend" und "geschmacklos". Die Blauen warfen dem Agnostiker im Gegenzug vor, selbst auch kirchliche Wege zu beschreiten – weil Van der Bellen im Wallfahrtsort Maria Taferl (NÖ) war. Was sagt er dazu? "Ich bin von sechs Bürgermeistern eingeladen worden, mit ihnen von Marbach nach Maria Taferl zu gehen. Dort fand der jährliche Käsemarkt statt. Seit wann ist ein Käsemarkt ein religiöses Ereignis?"

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