© KURIER/Wilhelm Schraml

Ursula Plassnik
10/11/2014

"Grüne zeigen, wie es gehen kann"

Ex-Ministerin tritt bei VP-Konferenz auf. Im KURIER spricht sie über Frauenpolitik.

von Maria Kern

Ex-ÖVP-Außenministerin Ursula Plassnik ist Hauptreferentin beim Bundestag der ÖVP-Frauen heute in Linz. Der KURIER fragte Plassnik, ob sie die Politik vermisst, wie sie den geringen Frauenanteil im ÖVP-Klub sieht – und ob Schwarz-Blau ein Fehler war.

KURIER: Frau Botschafterin Plassnik, Sie haben die Spitzenpolitik vor sechs Jahren verlassen. Geht sie Ihnen ab?

Ursula Plassnik: Nein, es war ja meine eigene Entscheidung. Und die war damals für mich völlig richtig.

Sie reden beim Bundestag der ÖVP-Frauen über Frauenpolitik. Treten Sie wieder öfter öffentlich auf?

Das tu ich laufend, daheim und international, zu ganz unterschiedlichen Themen. Ich vertrete Österreich als Diplomatin und ehemalige Politikerin öffentlich gern. Und notfalls auch durchaus hörbar und sichtbar. Frauen und Außenpolitik haben mich immer fasziniert.

Unter den 47 ÖVP-Nationalratsmandataren gibt es nur 13 Frauen. Das ist nicht einmal ein Drittel. Woran liegt das nach?

Die Ursachen sind vielfältig. Fest steht für mich: Es gibt in Österreich genug qualifizierte Frauen, auch für das Parlament. Die Grünen zeigen vor, wie es gehen kann. Mir hat gefallen, was Reinhold Lopatka kürzlich gesagt hat: "Was die Rolle der Frauen in der Gesellschaft betrifft, sind Parteien nicht Trendsetter, sondern einen Schritt hinterher." Da tut sich hoffentlich was, da wird umgedacht.

Ist es für eine Frau schwieriger in der ÖVP Karriere zu machen als für einen Mann?

…jedenfalls scheint es für eine SPÖ-Frau schwierig zu sein, im Parlament auf den Platz einer Frau nachzurücken. Siehe Sonja Ablinger.

Zur Vereinbarkeit von Job und Familie: In Österreich bleiben viele Frauen nach einer Geburt zweieinhalb Jahre zu Hause. In Frankreich kehren Mütter nach wenigen Monaten wieder zurück in den Job. Welches System finden Sie besser?

Es geht nicht um gut, schlecht oder besser. Wir haben unterschiedliche Auffassungen darüber, was den Kindern gut tut. In Paris käme niemand auf die Idee, eine Frau für eine Rabenmutter zu halten, weil sie berufstätig und das Kind in der Krippe ist. Kinderbetreuung muss entideologisiert werden, im Interesse sowohl junger Mütter als auch junger Väter. Da haben wir in Österreich vielleicht Nachlernbedarf.

Kommen wir zur Innenpolitik: Wie schlagen sich Reinhold Mitterlehner und sein Team?

Es imponiert mir, wie der neue Parteiobmann und Vizekanzler in einer überraschend aufgetretenen, gar nicht einfachen Situation das Ruder rasch in die Hand genommen hat. Und den frischen Wind für alle spürbar gemacht hat. Das ist Führungsqualität.

Fällt Ihnen jemand besonders positiv oder negativ auf?

Mir gefällt der Team-Geist. Den wünsche ich mir auch für das Thema Europa.

Sie waren einst Mitglied der schwarz-blauen Regierung. Schmerzt es Sie, dass die prägendste Erinnerung daran die Korruptionsfälle sind, die bis heute Gerichte beschäftigen?

Natürlich schmerzt das gelegentlich, es ist auch ungerecht. Aber es ist letztlich eine Frage der Wahrnehmung. Wer damals gegen diese Regierungsform war, muss es wohl sozusagen vorbeugend auch für die Zukunft sein. Im Übrigen war ich genauso lang Mitglied einer rot-schwarzen Regierung.

War die Koalition mit den Freiheitlichen ein Fehler?

Finde ich nicht. Aber darüber werden unsere Nachfahren befinden.

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