Politik | Inland
30.01.2018

Unis: Welche Hürden ab 2019 warten

Am Mittwoch kommt die Studienplatzfinanzierung mitsamt Zugangshürden bei einigen Fächern in den Ministerrat. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mit Herbst 2019 wird sich so einiges ändern an den Unis: Am Mittwoch wird Bildungsminister Heinz Faßmann im Ministerrat die "Unifinanzierung neu" vorlegen – künftig wird das Budget auf Studienplatzfinanzierung umgestellt, also auf festgelegte Summen pro Kopf und Fachrichtung. Für die Studierenden heißt das: Für gewisse Studien wird es – weil nicht mehr Geld da ist – nur mehr begrenzte Plätze geben. Was ändert sich damit genau? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Müssen Studienanfänger ab Wintersemester 2019 mit Zugangsprüfungen bei allen Studien rechnen?

Nein. Zu den Studien, für die es bereits eine limitierte Studienplatzzahl gibt – etwa Medizin, Veterinärmedizin, Psychologie oder Pharmazie – kommen neue Richtungen: Jus, Erziehungswissenschaften und Fremdsprachen. Grund dafür ist die Überbelegung; das Betreuungsverhältnis Professor zu Studierendem liegt bei bis zu 1:123, gewünscht wären 1:40.

Und was ist mit Studien, die nur an gewissen Unis total überlaufen sind, wie Wirtschaft und Recht an der WU?

Hier können die Unis autonom entscheiden, ob sie Limits einziehen. Sie müssen nur den Nachweis erbringen, dass das Studium zu stark nachgefragt wird; das Ministerium muss zustimmen.

Wie stark werden die Zahlen der zugelassenen Studierenden damit sinken?

In Jus wird in Zahl der Zugelassenen im ersten Jahr von 8600 Anfängern um die Hälfte auf 4300 sinken. Bei Erziehungswissenschaften wird es ein Minus von 1200 Plätzen, also etwa 45 Prozent geben; bei Fremdsprachen bleibt die Zahl der Anfänger etwa gleich. Kritik – wie etwa von der Opposition –, dass so viele junge Menschen zwar studieren wollen, aber nicht mehr könne, entgegnet man im Bildungsministerium mit dem Verweis auf "Karteileichen": Mehr als die Hälfte der Studierenden sei ohnehin "inaktiv", schafft also nicht die 16 ECTS-Punkte, die auch für die Familienbeihilfe nötig sind. Was de facto heißt: Studieren sollen künftig jene, die sich wirklich ins Zeug legen.

So viel Aufwand für ein paar "Karteileichen"?

Nun ja: Die Limits sollen ja die hohen Drop-Out-Raten senken; bei Jus liegen sie etwa bei sehr hohen 70 Prozent. Zeitgleich wird aber kritisiert, dass die Zählung der prüfungsaktiven Studierenden "problematisch" sei, wie SPÖ-Wissenschaftsprecherin Andrea Kuntzl sagt: Auch wer weniger als die 16 ECTS-Punkte schaffe, sei ja aktiv. Zudem treffe die Beschränkung sozial Schwache: Die Tests schaffen jene leichter, die sich extern vorbereiten, so Kuntzl – und das kostet. "Das war schon bei Medizin zu beobachten." Zudem entstehe – wie eben bei Medizin – ein lukrativer Markt für Vorbereitungskurse.

Was ist mit denen, die die Tests nicht schaffen?

Sie können es nochmals probieren – oder, wenn sie sich falsch behandelt fühlen, beim Bundesverwaltungsgericht beschweren.

Ändert sich auch was für bereits inskribierte Studierende?

Vorerst nichts. Selbst jenen Studierenden, die nach dem Herbst 2019 von einer Uni auf eine andere wechseln und dort ein limitiertes Fach belegen, wird ein Studienplatz garantiert. Lediglich in puncto Studiengebühren könnte sich für alle Aktiven bald etwas tun: Zwar spricht Bildungsminister Faßmann davon, dass es eine "Sache von Jahren" sei, bis die Gebühren kämen, aber bereits im Herbst läuft die Ausnahmeregelung für Berufstätige aus – sie werden ab dann wieder zur Kasse gebeten.

Was ist mit dem Eingangsjahr, von dem im Regierungsprogramm die Rede war?

Das ist großteils gestorben. Geplant war ja auf Initiative der FPÖ, sich an der ETH Zürich zu orientieren – dort werden alle Studierenden zunächst zugelassen und nach einem Jahr ausgesiebt. Das ist aber zum einen sehr teuer, zum anderen verlieren Studierende ein Jahr. Darum hat man sich nun auf "Eignungs-Feedbacks" geeinigt – eine erste, kleine Hürde für alle Anfänger: Wer kein Motivationsschreiben verfasst oder ein Online-Assessment durchläuft, darf nicht immatrikulieren. Allerdings zählt dabei nur das Mitmachen – eine allfällige Bewertung hat keine Auswirkung auf künftige Studienzulassungen.

Wird all das die Akademikerquote bis 2020 heben, wie das im Rahmen der EU-Bildungsziele gefordert ist?

Wohl nicht. Laut EU-Ziel soll der Anteil der 30- bis 34-Jährigen, die ein Hochschulstudium abgeschlossen haben, auf mindestens 40 Prozent erhöht werden. Derzeit ist man davon weit entfernt: Laut OECD liegt die Akademikerquote bei 32 Prozent – allerdings werden dazu auch gewisse Schulabschlüsse gezählt. Die Titel Bachelor, Master, Magister oder Doktor tragen nur 16 Prozent der Österreicher.