Tschanigraben bleibt allein und klein

Roland Pittnertschanigraben, bezirk güssing, kleinste gemeinde
Foto: Roland Pittner Verschlafen: Die Häuser liegen im Gemeindegebiet verstreut, bis 1991 gehörte der Ort zu Inzenhof

Die kleinste Gemeinde des Landes bietet den 70 Einwohnern vor allem Ruhe. Auch ohne Betriebe ist der Ort lebensfähig.

Ich verlasse Tschanigraben nicht mehr", sagt Bianca Köppel. Die 33-Jährige lebt mit ihrer Familie in der kleinsten Gemeinde des Landes, umgeben von Hügeln und viel Wald. Gasthaus oder Geschäft gibt es keines, die Abgeschiedenheit fordert ihren Preis. Den die 70 Einwohner wohl gern bezahlen.

"Es gibt hier keine Durchzugsstraße, wir sind im Grünen und in der Früh hört man die Vögel zwitschern", sagt die Mutter eines Vierjährigen. Beruf und Familie lassen sich auch in der Kleinstgemeinde vereinbaren. "In Inzenhof (Nachbargemeinde Anm.) gibt es einen Hort. Die Kinder können bis halb fünf dort bleiben", sagt Köppel, so könne sie beruhigt arbeiten gehen. Durch die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden bei der Kinderbetreuung oder auch bei einem Dorfbus bleibt die Kommune lebensfähig.

Ruhe

Doris Simitz arbeitet als selbstständige Lebens- und Sozialberaterin. "Ich bin viel unterwegs, aber wenn ich heimkomme, hab’ ich hier Ruhe." Große Unternehmen gebe es in der Streusiedlung nicht, nur zwei Einzelunternehmer, "wir sind doch weg vom Schuss, aber auch verhältnismäßig schnell in Wien oder Graz". Sie lebt gerne hier, denn der Zusammenhalt im Dorf sei sehr gut. "Jeder kennt jeden und alle, die wollen, werden ins Dorfleben eingebunden", sagt Simitz. Jung und Alt seien dabei, wobei "Tschanigraben eher aus Pensionisten besteht", meint Simitz. Viele junge Leute ziehe es in die Ballungszentren. "Vor allem Jugendliche mit guter Ausbildung müssen aus Mangel an Arbeitsplätzen hier weg", weiß Simitz.

Vor dem Aussterben müsse sich die Gemeinde dennoch nicht fürchten, Kinder gebe es genug. Der Ruhepol hat für Touristen wenig zu bieten, aber immer mehr Menschen von auswärts kommen hierher, um zu bleiben.

Klaus Jenewein übersiedelte vor etwa einem Jahr von Tirol ins Südburgenland. "Über einen Freund bin ich hierher gekommen und ich habe noch keinen Tag bereut", sagt der 56-Jährige. Er fühle sich bereits als Einheimischer. Weg vom Schuss zu sein, macht dem Pensionisten nichts. "Das hügelige Gelände, der viele Sonnenschein, für mich hat das hier puren Erholungswert", sagt Jenewein. Gravierende Veränderungen nach der Wahl wünschen sich weder er, noch Köppel oder Simitz, man sei zufrieden.

Auch SPÖ-Bürgermeister Ernst Simitz ist mit der Entwicklung seiner Gemeinde zufrieden. "Wir konnten alle leer stehenden Bauernhäuser im Ort verkaufen und es wird auch neu gebaut", sagt der Ortschef. Simitz sieht die Gemeinde als lebensfähig und denkt nicht an eine Zusammenlegung. "Die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden ist jetzt schon gut", sagt Simitz, der bei der vergangenen Gemeinderatswahl 100 Prozent erreicht hat. Er will auch heuer wieder antreten.

(kurier) Erstellt am
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