Politik | Inland
03.10.2018

Theresa May teilte als „Dancing Queen“ munter aus

Die britische Premierministerin beschwor ihre Partei, einig zu sein und führte so manchen Seitenhieb.

Es waren harte Tage für Theresa May: Unzufriedenheit in der eigenen Partei, harter Gegenwind durch ihren Ex-Außenminister Boris Johnson, der sie zwar nicht persönlich, wohl aber ihre Brexit-Pläne scharf attackiert hatte. Medien hatten im Vorfeld spekuliert, dass der Parteitag der konservativen Tories ihr Ende sein könnte.

Doch die britische Premierministerin überraschte alle, als sie zu den Klängen von Abbas Dancing Queen“ auf die Bühne tänzelte. Eine Replik auf ihre im Netz bespöttelte Tanzeinlage in Nairobi, Ende August.

„Die besten Tagen liegen vor uns, und die Zukunft ist voller Versprechen“, gab sich May optimistisch und verteidigte ihre Pläne für einen Austritt aus der EU: „Die Verhandlungen gehen nun in ihre schwierigste Phase“, sagte sie. „Wenn wir zusammenhalten und die Nerven behalten, können wir ein zufriedenstellendes Abkommen für Großbritannien erreichen.“

Einen Seitenhieb gegen Boris Johnson, der am Dienstag seine Idee eines „Super-Kanada-Freihandelsabkommens“ unterstrichen hatte, konnte sich May nicht verkneifen: „Diejenigen, die das Ergebnis vor zwei Jahren respektieren, müssen jetzt zusammenhalten. Wenn wir alle in verschiedene Richtungen auseinandergehen, nach unseren eigenen Visionen eines perfekten Brexit streben, riskieren wir, am Ende ohne Brexit dazustehen“. Ob es ihr damit gelungen ist, ihre tief gespaltene Partei zu einen, ist zu bezweifeln – zu groß war der Zuspruch, den Johnson nach seiner Rede bekommen hatte.

Tosenden Applaus erntete sie jedoch für ihre Attacken gegen die Labour-Partei: „Wenn die in der Regierung wären, würden sie jedes Abkommen mit der EU akzeptieren, völlig egal wie schlecht das für Großbritannien sein würde“, tönte sie und warnte vor einem zweiten Brexit-Referendum. Dieses wäre eine „Politiker-Wahl“ – Politiker würden der Bevölkerung dadurch sagen, dass diese falsch abgestimmt hätten und es nun wieder versuchen sollten.

Im Gegensatz zum Vorjahr verlief Mays Auftritt reibungslos – damals plagten sie Hustenanfälle, am Ende fiel ein Buchstabe aus dem Schriftzug an der Wand hinter ihr. Ihre selbstironischen Anspielungen darauf sorgten für Gelächter.

Stunde der Wahrheit

In zwei Wochen wird es wieder ernst für die britische Regierung, wenn der EU-Brexit-Gipfel tagt. Der Gipfel bringe die „Stunde der Wahrheit“ und man erwarte bis dahin „maximalen Fortschritt“, mahnte EU-Ratschef Donald Tusk.

Währenddessen trifft Frankreich Vorkehrungen für den Fall, dass Großbritannien die Europäische Union ohne Austrittsabkommen verlässt. Die Pariser Regierung bittet das Parlament dazu um eine Vollmacht, um wichtige Themen wie mögliche Zollkontrollen über Verordnungen regeln zu können. Eine gute Austrittsvereinbarung sei möglich, sagte die französische Europaministerin Nathalie Loiseau. „Trotzdem müssen wir uns auf alle Szenarien vorbereiten.“Armin Arbeiter